Gänserndorf

Erstellt am 25. Januar 2018, 04:30

von Thomas Schindler und Nina Wieneritsch

Krankenhaus und Ripfl polarisieren. Die Spitzenkandidaten des Bezirks diskutierten vor allem über die derzeitigen Aufreger-Themen in der Region.

Grünen-Landtagsabgeordnete Amrita Enzinger aus Aderklaa, SP-Landeshauptfrau-Stellvertreterin Karin Renner aus Markgrafneusiedl, VP-Landtagsabgeordneter René Lobner aus Gänserndorf, NÖN-Redaktionsleiter Thomas Schindler, NEOS-Bezirkschef Roland Reidinger aus Strasshof und geschäftsführender FPÖ-Gemeinderat Dieter Dorner aus Untersiebenbrunn (v.l.) beim Runden Tisch in der Gänserndorfer NÖN-Redaktion.  |  Mattes

Die NÖN lud alle Bezirks-Spitzenkandidaten anlässlich der Landtagswahl am 28. Jänner zu einem Runden Tisch in der Redaktion: René Lobner (ÖVP), Karin Renner (SPÖ), Amrita Enzinger (Grünen), Dieter Dorner (FPÖ) und Roland Reidinger (NEOS) nahmen an der Diskussion teil.

Bei der Frage, welche der fünf antretenden Parteien auch in den Landtag einziehen wird, will sich Lobner nicht festlegen: „Das entscheidet der Wähler. Ich gehe aber davon aus, dass die VP einziehen wird.“ Renner wiederum glaubt, dass es neben der ÖVP und SPÖ auch die anderen Parteien ins Landesparlament schaffen: „Es wird eine 5-Parteien-Landschaft geben.“

Auch Dorner, Enzinger und Reidinger wollen Vielfalt. „Es ist wichtig, dass alle da und alle Bereiche abgedeckt sind“, so Reidinger. Nachsatz: „Ich werde es relativ sicher nicht in den Landtag schaffen.“ Enzinger gehe davon aus, dass VP, SP und FP „fix reinkommen. Wir brauchen aber Grüne und NEOS als Opposition.“ Sie selbst sitze nur wieder im Landesparlament, wenn die Grünen ein gutes Ergebnis einfahren.

Was machen eigentlich die Kandidaten, wenn sie es nicht in den Landtag schaffen? Lobner: „Ich bin Bürgermeister und habe noch einige andere Aufgaben in der Region.“ Es würde ihm nicht langweilig werden.

Enzinger müsste sich einen Job suchen

Renner hat sich darüber noch keine Gedanken gemacht: „Weil ich davon ausgehe, dass ich wieder im Landesparlament sitzen werde.“ Enzinger müsste sich als studierte Umweltmanagerin einen Job suchen. Dorner sei seit einiger Zeit nicht mehr berufstätig, „weil ich mich auf den Wahlkampf vorbereitet habe. Ich werde mich nach der Wahl weiterhin um die Gemeinde (Untersiebenbrunn, Anm.) kümmern“. Für Reidinger, der in der Werbe-Branche tätig ist, sei „alles, was politisch noch kommt, spannend“.

Emotional wurde die Debatte beim Thema Markus Ripfl. Wie berichtet, wurde der Orther FP-Gemeinderat aus der Partei ausgeschlossen, weil er sogar den Freiheitlichen zu weit rechts ist. Lobner: „Es war allen jahrelang bekannt, dass er rechtsrechtes Gedankengut pflegt. Nachdem die Bezirks-FPÖ nichts unternahm, musste ihn schließlich die Landes-FPÖ rauswerfen.“

Und Lobner wirft Dorner ein „gewisses Naheverhältnis“ zu Ripfl vor. Dieser entgegnet: „Ich kenne ihn aus der Bezirkspartei – sonst nichts.“ Und: „Ich weiß nicht, welches rechtsrechte Gedankengut gemeint sein soll.“ Ripfl sei inhaltlich jedenfalls nie antidemokratisch gewesen.

Enzinger, die sogar von einem Journalisten aus Deutschland zu Ripfl befragt worden sei, stellt fest: „Er hat für die ganze Region kein gutes Renommee gebracht.“ Auch für Renner ist der Ausschluss Ripfls mehr als gerechtfertigt: „Es war die richtige Konsequenz für sein Handeln.“ Und Reidinger stellt abschließend fest: „Solche Leute haben in der Politik einfach nichts verloren.“

„Die SP-Plakate sind sicher die auffälligsten“

Was sagen die Kandidaten zu den umstrittenen SPÖ-Wahlplakaten, auf denen SP-Landes-Spitzenkandidat Franz Schnabl Grimassen schneidet? Renner: „Die sind kreativ und erfüllen ihren Zweck. Vorher war Schnabl relativ wenig bekannt, jetzt reden alle über ihn.“ Lobner sieht dies anders: „Die Leute reden über die Plakate, aber nicht über Schnabl. Die Frage ist auch, ob hier nicht die Politik ins Lächerliche gezogen wird.“ Reidinger weist auf die hohen Kosten dieser Kampagne hin, stellt aber – wie auch Enzinger – fest: „Die SP-Plakate sind sicher die auffälligsten.“ Laut Dorner herrscht diesbezüglich „viel Lärm um nichts“.

Zu guter Letzt wurde noch ein aktuelles Thema aufs Tapet gebracht: Ist es sinnvoll, im Bezirk ein eigenes Krankenhaus zu errichten, oder reicht es, wenn man die Gänserndorfer Tagesklinik ausbaut? Lobner: „Es macht keinen Sinn, ein eigenes Spital zu bauen, auch wenn das die FPÖ ständig populistisch fordert. Da zündeln die Freiheitlichen und andere, wie ich, löschen.“ Schließlich sei er – Lobner – der Einzige, der sich für eine Verbesserung der Tagesklinik einsetzt: „Künftig wird es dort sogar rheumatologische Behandlungen geben.“

Dorner: „Wir zündeln nicht – die Leute sind mit diesem Anliegen zu uns gekommen.“ Sein Ziel sei es, ein vollwertiges Spital für den Bezirk zu bekommen. Renner wiederum hält nichts vom Bau eines eigenen Krankenhauses: „Es wäre besser, die Tagesklinik weiter auszubauen und medizinische Schwerpunkte zu setzen. Das Problem ist das schlechte Image der Tagesklinik, das gehört dringend repariert.“

Enzinger sieht das anders: „Der Punkt ist auch, dass es in Gänserndorf keine Spitalsbetten gibt. Der Bezirk ist bei so vielem hinten nach. Das, was jetzt da ist, funktioniert leider nicht. Die Tagesklinik ist in einer Notsituation schwierig.“ Reidinger ergänzt: „Ich habe schon Bedenken, dass ich im Notfall irgendwo hingeführt werde und das lang dauert.“