Erstellt am 14. April 2017, 05:03

von Edith Mauritsch

Männer auf dem „Catwalk“. Was haben „Doghouse“ und „Catwalk“ mit Öl zu tun? Die NÖN erhielt von zwei Experten eine exklusive Führung durch eine OMV-Anlage und lüftet das Geheimnis.

Markus Doschek (Hauptabteilungsleiter für Sondenbehandlung und Bohren) und Hubert Schramm (Betriebsaufseher Bohrung) am Herzstück einer jeden Bohrstelle – dem Bohrturm.  |  NOEN, Mauritsch

Zehn Uhr vormittags irgendwo im Matzner Feld – Bohrstange um Bohrstange verschwindet in der Tiefe, solange bis die Lagerstätte des schwarzen Goldes erreicht ist. Die NÖN erhält exklusiv Einblick in den Ablauf einer Produktionsbohrung. Markus Doschek, Hauptabteilungsleiter für Sondenbehandlung und Bohren, sowie Hubert Schramm, Bohrungs-Betriebsaufseher, führen die NÖN-Reporterin durch die Anlage.

Doch bevor wir auch nur in die Nähe einer Bohrstelle kommen, heißt es Sicherheitsausrüstung anlegen. In wenig vorteilhafter Schutzkleidung geht es dann los. An die 20 Mann arbeiten im Schichtbetrieb rund um die Uhr an der Anlage. Und „Mann“ ist hier tatsächlich wörtlich zu nehmen – nach Öl und Gas zu bohren scheint nämlich noch immer ein Männer-Job zu sein.

Alles dreht sich rund um den Bohrturm

Das Herzstück der Anlage ist der Bohrturm, an die 40 Meter hoch und mit jeder Menge Technik ausgestattet. Herr über die Steuerung ist der Bohrmeister, der an seinem Arbeitsplatz, das einem Cockpit gleicht, Bohrtiefe, Geschwindigkeit, Druck und viele andere Parameter im Auge behält. Dies allerdings maximal zwei Stunden, länger hält die Konzentration nicht an. Er ist es auch, der das Bohrloch mit dem Bohrgestänge beschickt, das übrigens mittels Hydraulik in die richtige Position gebracht wird. Manuelle Tätigkeit gibt es hier wenig und das ist wahrscheinlich auch sicherer so.

Apropos Sicherheit: Eine Absperrvorrichtung, genannt „Blowout Preventer“, verschließt das Bohrloch binnen zwanzig Sekunden. Austritt von wie auch immer gearteter Flüssigkeit soll damit vermieden werden. Ein spezielles, in sich geschlossenes Spülsystem erfüllt gleich mehrere Aufgaben – es kühlt den Bohrmeißel, spült das abgearbeitete Material nach oben und gleicht den Umgebungsdruck im Bohrloch aus.

Mittels Rüttelsieben, Zyklonen und verschiedenen Zentrifugen wird das Wasser gereinigt und wiederverwendet. Geologen analysieren laufend das Abraummaterial, zuerst alle fünf Meter, in der Nähe der Lagerstätte sogar alle zweieinhalb Meter. Zutage gebrachten Bohrklein können sie wie ein Buch lesen und so die Beschaffenheit bestimmen.

Zwei Wochen dauert es, bis man auf Öl stößt

Je nach Untergrund geht die Bohrung mehr oder weniger schnell voran, die besichtigte Stelle ist auf eine Tiefe von 1.600 Metern ausgelegt – und dorthin zu gelangen, dauert: Wenn die Bodenbeschaffenheit den zuvor angenommenen Verhältnissen entspricht, etwa an die zwei Wochen. Dann ist die Lagerstätte erreicht und die Förderung kann beginnen. Das bedeutet, dass der Tross, bestehend aus einigen hundert Tonnen an Material und geladen auf nicht weniger als 35 Tieflader, zur nächsten Bohrung weiterzieht, um aus den Tiefen des Weinviertels das zu fördern, was die Natur vor Jahrmillionen geschaffen hat.

Kurios sind die im internen „Bohr-Jargon“ verwendeten Tiernamen. So wird die Kabine des Bohrmeisters „Doghouse“ genannt und der Begriff „Catwalk“ benennt den Steg zwischen den Rohrlagern. Doschek auf Nachfrage, woher diese lustigen Bezeichnungen stammen: „Wir vermuten den Ursprung in den Zeiten des Ölbooms um 1900.“