Erstellt am 20. Juli 2016, 05:00

von Markus Glück

Mehr Arbeitslose als im NÖ-Schnitt. Bezirk Gänserndorf leidet unter schwieriger Arbeitsmarktlage. 6,5 Prozent mehr Arbeitslose als im Jahr 2015.

4.459 Personen im Bezirk sind auf der Suche nach einem Arbeitsplatz: Tendenz weiter steigend.  |  NOEN

Mit durchschnittlich 4.459 arbeitssuchenden Personen hat der Bezirk Gänserndorf mit einer der herausfordernsten Arbeitsmarktentwicklungen in NÖ zu kämpfen. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2015 gab es in diesem Jahr eine Steigerung um 6,5 Prozent bzw. 274 Personen.

Zum Vergleich: Im Nachbarbezirk Mistelbach ist der Vorgemerktenstand im ersten Halbjahr um 1,1 Prozent gesunken. In ganz Niederösterreich betrug die Arbeitslosenzahl im ersten Halbjahr durchschnittlich 61.307 Personen, was um rund 2,1 Prozent mehr Arbeitslose bedeutet als im Vergleichszeitraum 2015.

Vor allem kleine und mittlere Betriebe

Gänserndorfs AMS-Geschäftsstellenleiter Alfred Walbert sieht mehrere Gründe für die schlechte Entwicklung im Bezirk. „Es gibt eine wenig dynamische Wirtschaftsentwicklung, die auch durch die nachteilige Infrastruktur bedingt ist. Im Bezirk Mistelbach hat die A5 für einen Betriebsansiedelungs-Schub gesorgt“, nennt Walbert den eco-plus Wirtschaftspark in Wolkersdorf, wo an die 1.700 Arbeitsplätze geschaffen wurden, als positives Beispiel im Weinviertel.

Da der Bezirk vor allem von kleinen und mittleren Betrieben geprägt ist und diese einer starken Konkurrenz durch die Arbeitsmigration aus den östlichen Ländern unterliegen, ist auch die geografische Lage des Bezirks mit ausschlaggebend für die derzeitige Situation. Als weiteren Grund für die schlechten Zahlen nennt der AMS-Geschäftsstellenleiter die schwierige Arbeitsmarktlage in Wien. Walbert: „Zwei Drittel der Erwerbstätigen des Bezirkes pendeln aus, der Großteil nach Wien. Wir sind also eng mit dem dortigen Arbeitsmarkt verflochten.“

„Es gibt eine wenig dynamische Wirtschaftsentwicklung, die auch bedingt ist durch die nachteilige Infrastruktur.“

Alfred Walbert, AMS

Auch die rasch wachsende Bevölkerung im Bezirk Gänserndorf ist mit ein Grund dafür, dass der Arbeitsmarkt die steigende Nachfrage nach Jobs nicht decken kann. „Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten im Bezirk umfasste im ersten Halbjahr rund 41.200 Personen, das sind um 1,5 Prozent mehr als noch 2015,“ informiert Walbert im NÖN-Gespräch.

Auch innerhalb des Bezirkes gibt es Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt. Prinzipiell gilt, dass die Arbeitsmarktlage umso schwieriger wird, je weiter die Gemeinde vom Einzugsbereich Wiens entfernt liegt und je weniger ausgebaute öffentliche Verkehrsverbindungen in die Bundeshauptstadt führen. Die Gebiete, die an der Grenze zu Mistelbach und nahe der A5 liegen, profitieren von der Infrastruktur des Nachbarbezirks, wie Walbert berichtet.

AMS vermittelte bisher 569 neue Arbeitsplätze

Beim AMS versuchte man im ersten Halbjahr, vor allem durch Beratung und Vermittlung die Lage zu entschärfen. Neben 2.750 Arbeitsaufnahmen vermittelte das AMS auch 569 neue Jobs für Menschen, die älter als 50 Jahre sind. Zuletzt wurden auch 162 Langzeitarbeitslosen ein neuer Arbeitsplatz vermittelt.

Für die zweite Jahreshälfte erwartet Walbert eine unverändert hohe Arbeitslosigkeit – jedoch mit einer flacheren Steigerungsrate. Dafür sprechen auch die aktuellen Zahlen: Stieg die Arbeitslosigkeit im Jänner noch um 5,1 Prozent, folgte im Juni nur noch ein Plus von 3,4 Prozent. „Insgesamt nimmt die Wirtschaft ein wenig Fahrt auf – zu wenig aber, um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren“, weiß Walbert, der aber betont: „Die Arbeitslosigkeit steigt nicht, weil die Menschen vermehrt Jobs verlieren, sondern weil die Dauer der Arbeitslosigkeit deutlich länger ist als früher.“