Schönkirchen-Reyersdorf

Erstellt am 10. August 2016, 05:00

von Thomas Schindler

Neuer VOR-Tarif: Erster zufriedener Fahrgast. Nach den zahlreichen Unmutsäußerungen von Bahnkunden und der Kritik der Gänserndorfer Grünen meldet sich nun ein „Gewinner“ der Tarif-Umstellung zu Wort.

 |  Schindler

Bis jetzt gab es über die neuen, seit 6. Juli geltenden Tarife des VOR (Verkehrsverbund Ost-Region) nur Beschwerden. Auch die Grünen lassen an der Umstellung des Ticketpreis-Systems kein gutes Haar. „Wochen-, Monats- und Jahreskarten sind empfindlich teurer geworden“, betont Gemeinderätin und Grünen-Bezirkschefin Beate Kainz.

„Stimmt nicht“, kontert nun Walter Engelmayer aus Schönkirchen-Reyersdorf. Bei ihm sei genau das Gegenteil der Fall: „Ich besitze seit der Gründung des VOR im Jahr 1984 durchgehend eine Jahreskarte, weil ich täglich nach Wien pendle – nämlich von der Station Silberwald bis zur Haltestelle Wien-Geiselbergstraße.“

Engelmayer: "Ersparnis von 188 Euro im Jahr"

Vor der Umstellung hat Engelmayer für die Jahreskarte 888 Euro bezahlt, jetzt sind es nur noch 700 Euro: „Das ergibt eine Ersparnis von 188 Euro im Jahr.“ Der Schönkirchner bedauert, dass er „in der unglücklichen Position war, in den letzten 32 Jahren um Tausende Euro zu viel bezahlt“ zu haben: „Ein Hoch den neuen Tarifen. Endlich muss ich nicht mehr die Fahrkarten anderer Benutzer subventionieren.“

Auch der VOR unterstreicht, dass das neue System nun wesentlich einfacher und gerechter sei: Der Ticketpreis errechnet sich jetzt aus den im Fahrplan angebotenen Strecken von A nach B. Durch den Wegfall der sogenannten Überlappungszonen kommt es nun auch nicht mehr vor, dass man wie bisher für eine lange Strecke vergleichsweise wenig bezahlt.

Was sagt Kainz zur ersten positiven Rückmeldung durch einen Pendler: „Es freut mich natürlich für ihn, dass er jetzt günstiger fährt. Ich vermute aber, dass vom neuen Tarifsystem insgesamt nur wenige Fahrgäste positiv betroffen sind.“ Beim Schönkirchner sei dies der Fall, weil er bis ans andere Ende von Wien fährt. „All jene, die nur bis zur Wiener Stadtgrenze, zum Beispiel nach Leopoldau, fahren, zahlen leider mehr als früher – weil die gesamte Wiener Zone 100 eingerechnet wird, obwohl diese gar nicht genutzt wird.“

Kainz: "Man bezahlt Strecke von A nach C, wenn man in B aussteigt"

Somit sei auch das Argument des VOR, man bezahle konkret die Strecke von A nach B, irreführend, so Kainz: „In Wirklichkeit zahlt man von A nach C, selbst wenn man in B aussteigt.“ Teurer wurden auch die kurzen Strecken auf NÖ-Boden: „Für eine Fahrt von Gänserndorf nach Strasshof und retour bezahlt man jetzt 6,60 Euro, vorher waren es lediglich 4,40 Euro.“

Die Grüne ist der Meinung, dass das neue Tarifsystem noch nicht wirklich ausgereift ist: „Ich glaube, dass der VOR hier noch etwas daran feilen wird.“