Gänserndorf

Erstellt am 20. August 2016, 02:40

von Edith Mauritsch

OMV-Jubiläum: 60 Jahre alt – und einige Sorgenfalten. Anhaltend niedriger Ölpreis zwingt Unternehmen zu Sparmaßnahmen. Konzentration auf Kerngeschäft steht im Fokus.

Geschäftsführer Reinhard Oswald vom Standort Gänserndorf stellte sich der NÖN zum Interview. Er ist ein Chef zum „Anfassen“. Den Fototermin im Feld nutzte Oswald gleich zum Besuch bei den Arbeitern vor Ort.  |  NOEN

Die OMV Austria AG ist 60 – doch das Jubiläumsjahr ist nicht ungetrübt. Das weltwirtschaftlich schwierige Umfeld und der anhaltend niedrige Ölpreis werfen Schatten. Der Kostendruck in der Produktion ist enorm, der Mineralölkonzern begegnet den Herausforderungen mit einem rigiden Sparkurs. Dennoch blickt man vorsichtig optimistisch in die Zukunft.

„Wir sind dabei, die OMV auf einen Ölpreis von unter 50 Dollar einzurichten, damit uns die Arbeit wieder Freude macht“, so Geschäftsführer Reinhard Oswald. Die Maßnahmen greifen, Produktionskosten wurden um 10 % pro Jahr gesenkt, das angepeilte Sparziel bereits heuer erreicht.

Das geht nicht ohne Personalreduktion, Sozialpläne sind laut Oswald allerdings keine Erfindung dieser Tage. „Unsere Leute sind nach 40 Jahren Arbeit im Feld froh, in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen“, so der Chef des Standorts Gänserndorf.

Konzentration auf das Kerngeschäft vorrangig

Der Konzern arbeitet mit Hochdruck an der Konzentration und der Stabilisierung des Kerngeschäftes – Öl und Gas. Unrentable Beteiligungen werden abgestoßen, wie zuletzt der Verkauf des 30-Prozent-Pakets am britischen Öl- und Gasprojekt „Rosebank“. „Das bringt eine deutliche Entlastung des zukünftigen Cashflows“, so OMV- Generaldirektor Rainer Seele anlässlich der Pressekonferenz zur Präsentation der Halbjahresbilanz 2016.

Wiewohl die Zahlen nicht berauschend sind, konnte zum Vergleichsquartal 2015 eine Erhöhung der freien Mittel um 21 % erwirtschaftet werden. „Das klingt nicht nach viel, ist aber ein starkes Signal“, so Seele.

Zurückhaltung wird auch bei Neuinvestitionen geübt: Aus derzeitiger Sicht wird es heuer keine neuen Bohrungen im Weinviertel geben. Bei anhaltender Stabilisation und abhängig vom Ölpreis sind etliche Projekte „in der Pipeline“. Die laufende Produktion erfuhr keine Einschränkung. Aus diesen Quellen rechnet man mit einem Förderzeitraum von 10 bis 15 Jahren. Größere Neufunde könnten den Zeithorizont allerdings erheblich verlängern.

„Erdgas ist für uns zukunftsträchtig“

„Wir sehen speziell unser Produkt Erdgas als zukunftsträchtig und als wichtigen Stabilisierungsfaktor zu den erneuerbaren Energien“, so Oswald auf die Frage einer eventuellen Neuausrichtung. Auch Geothermie ist derzeit kein Thema, das Wissen um die geologische Beschaffenheit sei allerdings sehr wertvoll.

Dass gerade die OMV im Fokus der Beobachtung liegt, hat wohl mit der tiefen Verwurzelung in der Region zu tun – manchmal arbeiten gleich mehrere Generationen einer Familie im Betrieb. Zudem ist die OMV mit einem Mitarbeiterstand von 645 sowie zusätzlichen 300 Arbeitsplätzen bei Kontraktoren einer der größten Arbeitgeber im mit internationalen Betriebsstandorten nicht gerade gesegneten Bezirk.

Oswalds Schlusswort lässt Hoffnung aufkeimen: „Wir haben die Leute, die Technologie und den Willen, um die Herausforderungen zu meistern.“

Eine Feier zum Jubiläum mit den Mitarbeitern und Bürgermeistern der Erdöl- und Erdgasgemeinden gibt es – trotz anderslautender Meldungen – sehr wohl: „Wenn auch ohne großes Tamtam und Bundespräsident“, wie Oswald scherzhaft anmerkt. Nun, ein solcher ist sowieso gerade nicht verfügbar.