Erstellt am 01. Juni 2016, 05:15

von Thomas Schindler

S8: Verhandlung wieder vertagt. Abermals konnte die mündliche Verhandlung zur UVP nicht abgeschlossen werden. Grund: Brunnen-Problem nicht gelöst.

Die Pläne für die S8 gibt es schon lange. Trotzdem musste der avisierte Baubeginn immer wieder verschoben werden.  |  NOEN, Asfinag

Vergangene Woche ging von Montag bis Mittwoch die zweite Runde der mündlichen Verhandlung zur UVP (Umweltverträglichkeits-Prüfung) für die geplante Marchfeld-Schnellstraße S8 über die Bühne. Aber auch diesmal konnte sie nicht erfolgreich beendet werden. Am 21. November soll die Verhandlung fortgesetzt werden.

Der Marchegger Wolfgang Rehm von der Umweltorganisation „Virus“ und der Bürgerinitiative Marchfeld (BIM) spricht von einer „neuerlichen Blamage“ für die Schnellstraßen-Errichtungsgesellschaft Asfinag: „Grund ist die miserable Planung der Autobahnbauer, die das Projekt wie ein Mühlstein nach unten zieht. Der größte Grundwasserkörper Österreichs ist ein wesentliches Schutzgut und die Asfinag ist nicht in der Lage, die erforderlichen Nachweise zu erbringen.“

Zur Erinnerung: Schon die erste viertägige Verhandlung Anfang April dieses Jahres – auch sie fand im Festsaal der Gänserndorfer Arbeiterkammer statt – konnte nicht positiv abgeschlossen werden, weil viele entscheidende Fragen unbeantwortet geblieben waren. So schrien damals zum Beispiel die Bauern der Region auf, weil sie Angst um ihre Grundwasser-Brunnen hatten. Der Plan der Asfinag war nämlich, im Winter das Tausalz-Wasser von der Straße in den angrenzenden Gräben versickern zu lassen.

Landwirte fürchten um Wasser für Felder

Die Gefahr dabei ist, dass das Brunnenwasser zu sehr mit Salz angereichert wird und die Landwirte damit nicht mehr ihre Felder bewässern können. In diesem Fall würden die angebauten Pflanzen vertrocknen und die Ernte wäre vernichtet. Ursprünglich war angedacht, die Abwässer in den Rußbach einzuleiten. Dieser ist aber jetzt schon mit viel Streusalz von anderen Straßen belastet.

Rehm: „Die Asfinag hat sich entschlossen, ihr Projekt kostensparend auf Versickerung der Straßenabwässer umzuplanen und die Risiken somit auf die Allgemeinheit abgewälzt.“ Sie sei aber nicht in der Lage, die komplexe hydrogeologische Situation im Grundwasser richtig darzustellen und einen Nachweis für die begrenzte Ausbreitung der versickerten Schadstoffe zu erbringen, so Rehm.

Und weiter: „Angesichts der bereits fünfjährigen Verfahrensdauer und zahlreicher Verbesserungsaufträge kann beim besten Willen nicht mehr von Planungsqualität gesprochen werden.“ Der Verbesserungsauftrag von der ersten Verhandlung im April wurde einfach nicht erfüllt. „Der Zeitplan für den Bau der S8 muss nun zum x-ten Mal revidiert werden.“

„Wir werden in den kommenden Monaten
weitere Unterlagen zum Nachweis
der Umweltverträglichkeit vorlegen.“
Ein Sprecher der Asfinag

Die Asfinag selbst die Situation naturgemäß ganz anders. Vonseiten des Unternehmens heißt es, dass gute Fortschritte bei der Verhandlung erzielt wurden: „Wir werden noch zusätzliche vertiefte Unterlagen zur Dokumentation des umweltverträglichen Umgangs mit dem wichtigen Thema Straßenentwässerung vorlegen.“ Die S8 sei weiterhin ein vorrangiges und unverzichtbares Projekt zur Verkehrsentlastung der Gemeinden im Marchfeld. Die Umsetzung werde von den Menschen in der Region dringend gefordert: „Umso wichtiger ist es, dass beim Umgang mit den Straßen-Oberflächenwässern eine konsensfähige Lösung gefunden wird.“

Die Asfinag hält fest, dass sie beim Thema Straßenentwässerung der S8 in den kommenden Monaten weitere Unterlagen zum Nachweis der Umweltverträglichkeit nachreichen werde. Und abschließend: „Ein Straßenbauprojekt in dieser Dimension wirft natürlich immer viele Fragen auf – diese dürfen aber nicht den Blick auf das Wesentliche verstellen: Die in Zukunft dringend erforderliche Entlastung der Anrainer an der B8.


S8: Daten & Fakten

Der Abschnitt West der geplanten Marchfeld-Schnellstraße S8 (Raasdorf bis Gänserndorf) ist 14,4 Kilometer lang, die Gesamtkosten sind mit 310 Millionen Euro veranschlagt. Geplanter Baubeginn ist 2017, die Verkehrsfreigabe ist für 2019/20 vorgesehen. Der Abschnitt Ost der S8 (Gänserndorf bis Marchegg) soll zu einem späteren Zeitpunkt realisiert werden.