Erstellt am 11. Januar 2017, 03:31

von Thomas Schindler

Tourismusverband: Wird Marchfeld eigenständig?. Die Marchfelder Gemeinden wollen sich vom „Römerland Marchfeld-Carnuntum“ lösen.

Der Tourismusverband „Römerland Marchfeld-Carnuntum“ mit seinem Bürositz in Petronell-Carnuntum: Diesem gehören derzeit 21 Gemeinden des Marchfelds an.  |  privat

Auch wenn Aderklaa und Parbasdorf nicht auf der Homepage aufscheinen (!), gehören derzeit alle 23 Marchfeld-Gemeinden zum Tourismusverband „Römerland Marchfeld-Carnuntum“. Das könnte sich aber demnächst ändern: Die Marchfelder fühlen sich nämlich im besagten Verein nicht wirklich wohl und liebäugeln mit einem eigenen Tourismusverband, dessen Bürositz auch im Marchfeld und nicht wie jetzt in Petronell-Carnuntum (Bezirk Bruck/Leitha) sein soll.

Gänserndorfs Bürgermeister und VP-Landtagsabgeordneter René Lobner erklärt im NÖN-Gespräch: „Es gibt einen Grundsatzbeschluss, das Marchfeld touristisch auf eigene Beine zu stellen. Derzeit sind wir zwischen den Kleinregionen im Norden (Südliches Weinviertel, Anm.) und im Süden (Römerland Carnuntum, Anm.) eingezwickt.“ Für das Marchfeld wäre ein eigener Tourismusverband einfach besser: „In Lassee haben wir ja unser Regionalbüro. Dort sollen dann alle Fäden zusammenlaufen.“

SP-Nationalrat Plessl: „Einen eigenständigen Verband zu gründen, bringt keinen Mehrwert.“  |  NÖN

Gemeint sind jene des Marev (Marchfelder Regionalentwicklungs-Verein), der Marchfelder Leader-Region (Förderprogramm der EU) und eben des neuen Tourismusverbands. Lobner: „Wenn wir dann noch bei allen drei Vereinen denselben Vorstand hätten, könnten wir auch gemeinsame Sitzungen durchführen.“ Das spare Zeit und bündle die Kräfte bzw. das Know-how.

Lobner: „Wir ziehen auch Doppelmitgliedschaften in Betracht. Die Marchfeld-Gemeinden an der Donau könnten weiterhin beim Römerland bleiben. Für die Gemeinden an der B8 wiederum macht das keinen Sinn, die haben einfach keinen Bezug zur Donau.“ Man will auf jeden Fall auch in Zukunft mit dem „Südlichen Weinviertel“ und dem Römerland gut zusammenarbeiten. Noch in diesem Monat soll eine für alle optimale Lösung gefunden werden.

Der Gänserndorfer SP-Nationalrat Rudolf Plessl, er ist Obmann-Stellvertreter des Tourismusverbandes „Römerland Marchfeld-Carnuntum“, kann Lobners Idee wenig abgewinnen: „Während der Bewerbung für die NÖ Landesausstellung 2021, die wir in Marchegg und Strasshof austragen würden, die Verbandsstrukturen zu ändern, wäre alles andere als optimal.“

VP-Landtagsabgeordneter Lobner: „Wir wollen auch in Zukunft mit dem Römerland zusammenarbeiten.“  |  NÖN

Mit dem „Römerland Carnuntum“ bzw. dessen Dachverband „Donau Niederösterreich Tourismus GmbH“ habe das Marchfeld den stärksten Partner, den es in diesem Bereich gibt: „Ich frage mich – wo ist da der Mehrwert, wenn das Marchfeld künftig touristisch eigenständig agiert?“

Plessl hat bereits einen Brief an alle Bürgermeister der Marchfeld-Gemeinden geschickt. Sein Vorschlag: „Setzen wir uns gemeinsam an einen Tisch und reden noch einmal darüber.“ Aus einem funktionierenden Verband auszutreten, sollte man sich zwei Mal überlegen: „Vor zehn Jahren hatten wir etwa 90.000 Nächtigungen in der Region, mittlerweile sind es an die 700.000 pro Jahr.“ Der Erfolg gebe dem Verband also recht, so Plessl.