Erstellt am 27. Januar 2016, 05:03

von Nina Wieneritsch

Bürgerwehr in Zistersdorf gegründet. Bewohner beobachten öffentliche Plätze und dokumentieren Vorkommnisse, bei vermeintlichem Bedarf wird Polizei verständigt. FP-Bezirkschef Steindl zeigt sich besorgt.

NOEN, shutterstock

Sicherheit, selbst gemacht: In Zistersdorf hat sich, als Antwort auf die Übergriffe in Köln und nach Vorbild größerer Städte, die erste Bürgerwehr des Bezirks gegründet.

Ihr Ziel: Die Bewohner der Gemeinde beschützen. „Unsere Anliegen sind Augen offenhalten sowie die aktuelle Sicherheitslage und Vorkommnisse zu teilen“, so die Gründerin der Initiative, die nicht namentlich erwähnt werden möchte.

Die Mitglieder der Bürgerwehr werden über soziale Netzwerke „rekrutiert“: Über eine geheime Facebook-Gruppe tauscht sich eine Gruppe von 41 Personen aus Zistersdorf seit gut zwei Wochen über die jeweils aktuelle Sicherheitslage in der Stadt aus.

„Wir wollen hier weder eine parallele
Sicherheitswache einführen noch wie
die Wilden auf der Straße auftreten.“
Bürgerwehr-Gründerin

Das typisch suggerierte Bild von jungen Burschen mit Bomberjacke und Schlagstock wird nicht erfüllt. Vielmehr sind es unauffällige Bürger – mehrheitlich Frauen aller Altersgruppen –, die aus Angst vor steigender Kriminalität den Zusammenschluss suchen.

Ihre Vorgehensweise: In der Facebook-Gruppe teilen sie Beobachtungen, die etwa bei Spaziergängen gemacht wurden. So werden neue „Schmierereien“ ebenso vermerkt wie vermeintlich verdächtige Personen und der Ort, wo diese gesehen wurden. Die Vorkommnisse werden der Polizei gemeldet – man wolle dieser keine Konkurrenz machen.

Angst vor „Rache“: Mitglieder anonymn

Öffentlich auftreten möchte von den Mitgliedern der Initiative aus Angst vor politisch motivierten Drangsalierungen übrigens niemand.

FP-Bezirkschef Herbert Steindl bezeichnet diese Entwicklungen als „besorgniserregend“ und betont gleichzeitig, dass die Bürgerwehr nicht politisch motiviert sei: „Sie hat nichts mit der Partei zu tun.“ Vielmehr hinterfragt Steindl, wie es überhaupt dazu kommt, dass sich Bürger bemüßigt fühlen, eine Wehr zu gründen: „Dass man diesen Schritt – der nicht zuletzt mit Arbeitsaufwand verbunden ist – wagt, muss das subjektive Sicherheitsgefühl sehr niedrig sein.“ Und: „Wenn nicht bald etwas getan wird, könnten wir solche Formierungen immer öfters erleben.“

VP-Bürgermeister Wolfgang Peischl: „Ich kann behaupten, dass unsere Stadt sicher ist.“ Und auch mit den in der Gemeinde untergebrachten zehn Flüchtlingen gebe es keinerlei Probleme. Jene „Schmierereien“, die in der Facebook-Gruppe geteilt wurden, seien übrigens schon längst wieder entfernt.