Erstellt am 05. Dezember 2015, 05:13

von Ulla Kremsmayer

„Das sind keine Moslems“. Obwohl sich auch die bei Ulla Kremsmayer untergebrachten Syrer vehement von den Attentätern von Paris distanzieren, wird der Umgangston mit Flüchtlingen rauer.

Bei der Adventkranzweihe bekamen die syrischen Flüchtlinge (r.) vom Pfarrer ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet.  |  NOEN, Kremsmayer

„Nein, das sind keine Moslems“, stimmen Ahmet und Abdul Hamid in die Debatte um Paris-Terror und Hollandes Kriegserklärung ein. Dabei recken sie das Kinn und schnalzen mit der Zunge, ihr entschiedenes Nein, dazu ein strenger Blick und ein erhobener Zeigefinger.

Ein Moslem macht so etwas nicht, übersetzen sie uns. Es gibt keinen gerechten Krieg. Und die jüngsten Luftangriffe der Russen zerstören auch nur wieder Häuser und töten unschuldige Kinder, so wie seinerzeit der Luftangriff von Assads Regierungstruppen ihr Haus zerstört hat. Sie zeigen uns wieder die Fotos:

Nur Steinruinen, ihr Haus und das Schulhaus in der Nachbarschaft. Dazwischen Fotos ihrer schönen Frauen, die da weiterhin mit den Kindern im Lager in der Türkei warten. Sie spüren wohl, dass ihnen neuerdings mit Misstrauen begegnet wird, und dass die Chancen auf ein schnelles Wiedersehen mit der Familie weiter sinken. Auch Österreich baut Zäune und verschärft Asylgesetze.

In Groß-Enzersdorf leben sie noch in einem geschützten Biotop. Die Nachbarin schenkt den Kindern Schokolade, wenn sie den Gehsteig kehren, der Pfarrer zeichnet ihnen bei der Adventkranzweihe wohlwollend ein Kreuz auf die Stirn, die Vizebürgermeisterin spendiert Kinderpunsch. Doch höre ich schon von den Unkenrufern, dass wir Terroristen und Asylbetrüger eingeschleust hätten.