Weikendorf

Erstellt am 03. August 2016, 05:00

von Jürgen Nemec

Stromnetz: „Betreiber beleidigt Bürger“. Wird alternativer Lösungsvorschlag der Bürger ignoriert? Widerstand der Ortsbevölkerung gegen geplante Leitungstrasse der APG.

 |  privat

„Strom bewegt“, das ist der Untertitel, den sich die Austrian Power Grid (APG) in ihrem Markenauftritt gebastelt hat. „Strom bewegt“ – doch wie beweglich ist die APG gegenüber Bürgerstimmen und -einwänden, wie offen ist sie für Alternativen? Das ist eine der Kernfragen in einer sich zuspitzenden Causa, die auf eine Konfrontation des Netzbetreibers mit der lokalen Bevölkerung von Dörfles hinauszulaufen scheint.

Doch alles der Reihe nach: Die APG plant den Neubau einer 380 kV-Leitung. So weit, so gut. Denn mit der Leitung erklärten sich die Dörfleser im Gegensatz zu anderen, eine Trassenführung durch ihr jeweiliges Gebiet prinzipiell ablehnenden Gemeinden, einverstanden.

Dörfleser sehen Beeinträchtigung durch Trassenführung

„Wir treten nicht nach dem Florianiprinzip auf, mit dem Versuch, ein sinnvolles Projekt bloß auf andere abzuwälzen. Gerade angesichts unserer Gesprächsbereitschaft und dem Bemühen um eine konstruktive Lösung ist das bewusste und leider durchwegs hochmütige Ignorieren von sachlichen Bürgereinwänden seitens der APG ärgerlich“, so Ortsbauernvertreter Josef Heymann.

Der Kern der Kontroverse: Die von der APG geplante Trassenführung der Hochspannungsleitung bringt aus Sicht der Dörfleser Beeinträchtigungen vor allem für die Landwirte – ein Großteil Biobauern – mit sich. „Die Trasse der APG-Variante würde einen unnötigen Zick-Zack-Kurs mit vielen bis zu 100 Meter hohen Masten und Fundamenten von bis zu 12 mal 12 Metern, bedeuten. Mit einem Wort: Die APG-Trasse wäre desaströs für die Beregnung unserer Felder“, fasst Heymann das Problem zusammen.

Daher machten sich die Dörfleser daran, einen alternativen Lösungsvorschlag unter Berücksichtigung der Umweltgegebenheiten auszuarbeiten. „Wir haben unter Heranziehung von Experten eine alternative Trassenführung entworfen, die kürzer, umweltverträglicher und somit letztlich billiger für den Betreiber wäre“, sagt der Ortsbauernvertreter.

Alternative Variante mit weniger Masten

Diese alternative Variante sieht eine deutlich geradlinigere Trassenführung entlang des Grenzverlaufs der Katastralgemeinde vor, würde die Zahl der Konstruktionen reduzieren und weniger Masten auf landwirtschaftlich genutzten Flächen der Biobauern bedeuten. So würde etwa einer der Masten auf einem Gemeindegrundstück stehen, wozu die Marktgemeinde Weikendorf bereits ihre Zustimmung gegeben hat.

Doch bei der APG stieß man auf taube Ohren: „Trotz eines detaillierten Planes, einer Vielzahl von Argumenten zur Untermauerung dieser Win-win-Situation für alle Beteiligten war ein sachliches Gespräch unmöglich“, zeigt sich Heymann verärgert. Und weiter: „Die APG-Bürgersprechtage waren eine Frechheit. Wir wurden nie ernst genommen. Das ist aus unserer Sicht eine schlichte Beleidigung und Verhöhnung von Bürgern und des Prinzips der Bürgermitsprache, das sich der Betreiber umhängt.“

„Hinhaltetaktik und Alibi-Aktionen“

Nie sei seitens der APG ein Protokoll geführt worden, um Argumente festzuhalten, immer habe man den Eindruck gehabt, hinter den an sich für die APG abgeschlossenen Treffen stehe das Motiv einer „Hinhaltetaktik und Alibi-Aktionen“. „So sollte man die Ortsbevölkerung, die um konstruktive Lösungen bemüht ist, nicht behandeln“, empört sich der Landwirt.

Aus Sicht der APG sind die Bedenken oder Vorschläge der Bürger durchaus berücksichtigt worden. Man habe die Alternativ-Vorschläge geprüft und „die Prüfungsergebnisse wurden mit Gemeindevertretern wie auch den involvierten Grundeigentümern erörtert“, so Markus Pederiva von der APG.

„Wir sind der Meinung, dass wir gerade im Bereich von Weikendorf mit dem nun beschlossenen Trassenvorschlag eine gute Lösung gefunden haben: Demontage von 8,35 km bestehender Leitung und Neuerrichtung von nur rund 1 km Leitung in 1,5 km Entfernung zu Dörfles.“ Ab August dieses Jahres steht der Beginn der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) im Raum, als frühesten Baubeginn nennt die APG 2018.