Orth an der Donau

Erstellt am 16. Mai 2017, 08:58

von NÖN Redaktion

Blüten der Evolution: Bizarres Leben in der Au. Fische, die durch den Darm atmen, die älteste lebende Tierart der Welt, „Unken-Yoga“ oder einen Balzruf mit 100 Dezibel – all das gibt es in den Wäldern der Region.

Warum wird der Wachtelkönig von seinem Schrei nicht taub? Vögel besitzen einen Reflex, der dafür sorgt, dass sie ihre eigenen Rufe weniger laut hören.  |  Peter Buchner

Durch den Darm atmende Fische, Urzeitkrebse oder Zikaden, die Bäume zum Spucken bringen – das sind nur einige Vertreter bizarr erscheinender Tierarten. Diese mysteriösen Erdenbewohner leben nicht am anderen Ende der Welt: Sie tummeln sich in Flusslandschaften wie dem Nationalpark Donau-Auen oder den March-Auen. Doch manche sind massiv bedroht, warnen WWF und BirdLife.

Beispiele gefällig? Schlammpeitzger sind lang gestreckte Fische, die im sauerstoffarmen Wasser durch den Darm atmen können. Bei Bedrohung wird die verschluckte Luft wieder über den Anus abgegeben. Das brachte dem Schlammpeitzger den wenig schmeichelhaften Beinamen „Furzgrundel“ ein.

Laut werden kann der männliche Wachtelkönig, wenn er seine Rivalen um die Gunst der Wachtelkönigin in die Revier-Schranken weist. Lässt er nachts stundenlang sein „Rerrp-Rerrp“ erklingen, bringt er es auf über 100 Dezibel. Wenn der schlanke Spechtvogel Wendehals seinen Kopf um mehr als 180 Grad dreht, scheinen die Gesetze der Physik nicht mehr zu gelten.

Die Rotbauchunke drückt bei Gefahr in Bauchlage den Rücken zum Hohlkreuz durch, sodass der gelblich bis rot gefleckte Bauch und die Unterseite der Gliedmaßen zum Vorschein kommen. Dieses „Yoga“ signalisiert Feinden „Achtung, giftig!“. Die Krabbenspinne ähnelt mit ihren kräftigen Vorderbeinpaaren eher einer Krabbe als einer Spinne. Die Weibchen können ihre Körperfarbe aktiv wechseln – sehr praktisch, um perfekt getarnt Insekten aufzulauern.

Schaumzikaden wiederum leben in selbst erzeugten weißen Schaumballen im Geäst der Weiden. Spaziert man durch den Auwald, sieht man es im Frühling tropfen. Diesen Behausungen verpasste man den Namen „Hexenspucke“.

Urzeitkrebse schlüpften auf Fußballplatz

Noch vor den Dinosauriern bevölkerten Urzeitkrebse die Erde. Bei uns findet man noch mehrere Arten der äußerst seltenen lebenden Fossilien – meist in Tümpeln, die nur kurzfristig Wasser führen. So suchten sich Imnadia yeyetta und Lepidurus apus in Marchegg ausgerechnet den ehemaligen Fußballplatz aus, um zu schlüpfen. Eine weitere in den March-Auen vorkommende Art, der Triops cancriformis, gilt mit einem Alter von mehr als 220 Millionen Jahren als älteste lebende Tierart der Welt. Bei dieser Krebsart existieren übrigens auch völlig männchenfreie Populationen.

So weit ist es bei der Gottesanbeterin noch nicht, obwohl die Fangschrecke kannibalische Vorlieben hat: Das Weibchen frisst nach der Paarung den Partner. „Dieses faszinierende Tier, zugleich Insekt des Jahres 2017, kann auf trockenen Heißländen im Nationalpark Donau-Auen gut beobachtet werden“, lautet der Tipp von Nationalparkmitarbeiterin Erika Dorn.

Eine oscarreife Performance legt die Ringelnatter hin, wenn sich Angreifer nicht durch Zischen oder Bisse vertreiben lassen: Dann stellt sich das Reptil tot, indem es den Körper erschlaffen lässt, den Bauch nach oben dreht, die Pupillen verdreht und die Zunge heraushängen lässt. „Akinese“ wird diese Akrobatik genannt.

Mit diesen rekordverdächtigen Anstrengungen können Eintagsfliegen nichts anfangen. Sie leben nur, um sich zu vermehren. Nach der Paarung im Flug werfen sie die Eier aufs Wasser und sterben.