Dürnkrut , Marchegg

Erstellt am 15. März 2017, 03:43

Radbrücke: Marchegg baut, Dürnkrut nicht. Marchegger Gemeinderat beschloss Errichtung einer March-Querung. Dürnkruter Ortsparlament lehnte Übergang ab.

So hätte die Dürnkruter Brücke ausgesehen. Sie wäre laut NÖ Radlobby,genauso wie das Marchegger Projekt, dem wachsenden Rad-Tourismusgerecht geworden.  |  Büro für Raum/Regionalplanung

Die Entscheidung über den grenzüberschreitenden Brückenbau ist gefallen. Die jeweiligen Gemeinderäte in Marchegg und Dürnkrut stimmten in ihren Sitzungssälen ab.

In Marchegg brachte am Dienstag der Vorwoche eine geheime Wahl im Rahmen der Gemeinderatssitzung die überraschende Wende in der seit Beginn des Vorjahrs heftig ausgetragenen Diskussion um den Bau einer Fußgänger- und Radfahrbrücke. Der Grenzübergang unterhalb des Zollwache-Denkmals der Storchenstadt wird gebaut.

Da bei der Bürgerbefragung im Februar die vom Gemeinderat festgelegte Verbindlichkeitsgrenze von 60 Prozent Wahlbeteiligung nicht erreicht worden war – von insgesamt 2.943 stimmberechtigten Gemeindebürgern votierte lediglich ein Drittel (888 Personen) – wurde nun im Stadtparlament über diese Causa abgestimmt.

Elf Brückenbefürwortern – somit die Mehrheit – standen nur sieben Gegner gegenüber, ein Mandatar enthielt sich der Stimme. Zur Erklärung: Im Gemeinderat hält die ÖVP bei elf und die SPÖ bei neun Sitzen, die Freiheitlichen wiederum verfügen über ein Mandat.

Marchegg will Sorgen der Bürger zerstreuen

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VP-Bürgermeister Gernot Haupt erklärt: „Bei der geheimen Wahl konnte jeder Mandatar frei und unbefangen über die Radbrücke entscheiden. Es handelt sich bei dem Bau, der von der EU finanziert wird, um einen wichtigen Schritt in der touristischen Entwicklung und ich hoffe, wir können die Befürchtungen der Bevölkerung zerstreuen.“

Ein erstes Arbeitsgespräch mit Vertretern aus dem Landkreis Bratislava und Experten der NÖ Landesregierung aus den Bereichen Verkehr und Regionalplanung wurde bereits vergangenen Freitag in Hainburg abgehalten. „Im Rahmen dieses Gespräches wurde die weitere Vorgangsweise besprochen. Das Brückenprojekt muss nun eingereicht werden, bei einem Folgegespräch sind die technischen Details abzuklären, anschließend wird eine Ausschreibung formuliert. Bis zum endgültigen Baubeginn wird es noch einige Jahre dauern“, erläutert Haupt.

 |  NOEN

Die FPÖ, die sich immer gegen den Brückenbau aussprach, übt heftige Kritik am schwarzen Bürgermeister. FP-Bezirksparteichef Herbert Steindl: „Wenige Kilometer neben der bereits um fünf Millionen Euro errichteten Brücke in Schloßhof einen weiteren Übergang zu errichten, erscheint uns als Schildbürgerstreich. Es gibt unzählige Bereiche, wo dieses Steuergeld sinnvoller eingesetzt werden kann.“

Dass sich die Gemeinderäte hinter einer geheimen Abstimmung versteckt hätten, sei ein schändliches Zeichen – jeder einzelne sollte sich öffentlich zu seiner Entscheidung bekennen. Überdies sei es ein taktisches Manöver gewesen, bei der Bürgerbefragung 60 Prozent als verbindlich zu beschließen, da die Wahlbeteiligung bei der Gemeinderatswahl 64 Prozent betragen hätte.

Die Marchegger FP-Obfrau Patrizia Postl legt nach: „Es ist für mich unerklärlich, warum das Ergebnis der Bürgerbefragung mit Füßen getreten wurde. Alle, die ihr demokratisches Mitspracherecht wahrgenommen haben, wurden jetzt vor den Kopf gestoßen.“

Dürnkruter Brücke von SP und FP abgelehnt

In Dürnkrut sieht die Sache – zumindest aus Sicht der FP-Ortspartei – weitaus erfreulicher aus. In der Gemeinderatssitzung an Mittwoch der Vorwoche wurde die Brücke nämlich mit 13 zu fünf Stimmen abgelehnt. Lediglich die ÖVP war für den Bau des Übergangs, FPÖ und SPÖ votierten dagegen – zwei Rote enthielten sich der Stimme.

Die einzige FP-Mandatarin der Gemeinde, Ernestine Soucek, spricht von einem Sieg der Demokratie (377 Bewohner waren im Februar für die Brücke, 542 dagegen).

 |  NOEN

Auch die rote Mehrheitspartei orientierte sich am Votum der Bürger und stimmte gegen den Übergang. Fraktionsintern war man das Thema betreffend geteilter Meinung gewesen. SP-Bürgermeister Herbert Bauch hätte der Brücke aber etwas abgewinnen können: „Mir persönlich tut es leid, dass sie nicht kommt.“ Den Grund für das Negativ-Votum der Bürger sieht er in der Angst mancher, dass aus dem Übergang irgendwann eine Auto-Brücke werden könne, sowie im Standort.

Enttäuschung herrscht bei der Orts-ÖVP und geschäftsführender VP-Gemeinderätin Manuela Gieger. Sie hatte mit ihrer Fraktion von Anfang an für den Bau des Übergangs plädiert. „Dürnkrut und die Region hätten damit einen Aufschwung erlebt“, zeigte man sich bei den Schwarzen nach der Abstimmung im Gemeinderat enttäuscht.