Erstellt am 04. Februar 2016, 11:03

von Ulla Kremsmayer

Engagierte Groß-Enzersdorfer geben Sprachunterricht. Die engagierten Groß-Enzersdorfer, die Asylwerbern Sprachunterricht geben, berichten nach einem Semester von ihren Erfahrungen.

Ehemalige Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen, eine Psychotherapeutin, eine Krankenpflegerin, eine Fernsehmoderatorin, eine Schauspielerin, eine Bankbeamtin, ein Medienwissenschafter - das sind die Frauen und Männer, die den Flüchtlingen in Groß-Enzersdorf Deutsch beibringen wollen.  |  NOEN, UK

Im September passierte ein Strom von Flüchtlingen die Grenze bei Nickelsdorf und eine Welle der Hilfsbereitschaft begann. In Groß-Enzersdorf hatten sich rund 50 Menschen zusammengefunden – darunter auch ein Dutzend beherzter Frauen und Männer, die den Neulingen in Österreich Deutsch beibringen wollten. Zwei bis drei Stunden in der Woche, damit sich ein richtiger Kursbetrieb ausgeht.

Das Rote Kreuz hat seinen Lehrsaal zur Verfügung gestellt, Spenden haben Skripten ermöglicht. Die NÖN hat die freiwilligen Lehrer nun zu Rück- und Ausblick zum Heurigen gebeten. „Ich habe große Hilflosigkeit empfunden“, berichtet Ingrid.

"Aus buntem Haufen wurde zusammengeschweißte Gruppe"

„Ich wollte etwas tun, wusste aber nicht wo, es war wie ein Geschenk“, sagt Sonja. „Ich wollte jemanden aus diesem Strom kennenlernen, ein Gesicht sehen“, meint Helga. „Wir müssen die Ärmel aufkrempeln und wir tun es für uns. Wir haben gesehen, wie Integration bei Gastarbeiterwellen schiefgegangen ist. Jetzt können wir es anders zu tun“, sagt Ingrid.

Doch dann Sorge: Kann ich das überhaupt? Und: So viele Männer, wie werden sie auf mich reagieren? Aber es ist gut gegangen: „Es ist noch schöner, als es in der Schule war“, sagt eine Lehrerin: „Sie sitzen mit großen Augen da und wollen wirklich lernen“ – „Ja, lauter Streber!“, lacht Sonja, das erinnere sie an den Kindergarten, wo alle mit großer Begeisterung dabei sind. Man fühle sich respektiert. Die Männer seien höflich und es sei schön zu sehen, wie Männer und Frauen eng beieinander sitzen und alles normal läuft.

Aus einem bunten Haufen wurde eine fest zusammengeschweißte Truppe: „Sie helfen einander, sie schlichten Ehestreitigkeiten – wie ein große Familie.“ Bereut hätten sie es alle nicht, sich für den Dienst gemeldet zu haben: „Es kommt soviel zurück, es tut gut für jemanden so wichtig zu sein. Es ist bereichernd, jeder kleine Fortschritt freut einen: Ich kann wirklich zur Integration beitragen. Wir haben die Gesichter kennengelernt, sehen keine Fremden mehr, vor denen man sich fürchten soll, nur liebe Menschen.“