Erstellt am 29. November 2015, 07:13

von Ulla Kremsmayer

Flüchtlinge in Groß-Enzersdorf: Eintracht über Tasten. Die muslimischen Flüchtlinge machen langsam sprachliche Fortschritte und finden Gefallen am Musizieren.

Finden nach einigen Startschwierigkeiten bei »Jingle Bells« musikalisch zusammen: Abdul Hamid, Aladin und Abdul.  |  NOEN, Foto: Kremsmayer

"Die Katze schläft", sagt Abdul, ich nicke zuerst nur beiläufig, doch dann wird mir klar: Das war ja sein erster ganzer Satz! Ich freue mich darüber, fast wie über das erste „Mama“ bei meinen Kindern. Er sieht mein Strahlen und ist riesig stolz.

Zuletzt hat mich Ahmed schon überrascht. Angesichts eines gebrochenen Kleiderständers sagt er bestimmt: „Ahmed morgen Schraubenzieher!“ Langsam wird es was mit dem Reden. Freilich ist es noch mühsam, mit dem Musizieren geht’s schon leichter.

Abdul will unbedingt Gitarre spielen, wie ein Rocker hält er sie in der Hand und versucht zu schlagen. Doch die Kinderhände sind noch zu klein und die Finger zu schwach, um die Saiten niederzudrücken. Umso mehr muss das Klavier herhalten. Kuckuck ist erkennbar, auch die erste Tonleiter wird rauf und runter gespielt.

Er übt auch schon – in Vorbereitung auf die Adventzeit „Süßer die Glocken nie klingen“ – mit stockendem Fortschritt. Doch dann entdeckt er im Notenheft „Jingle Bells“. Das kennt er aus Syrien, dort heißt es „Pere Noel“, der Weihnachtsmann.

Er spielt es auch gleich und ganz ohne Kraftanstrengung –  er hat ein gutes Gehör – und dann auch nach Noten. Aladin läuft herbei, schlägt den Takt mit den Schellen dazu und Abdul Hamid die Rassel. Gegen die Globalisierung ist kein Kraut mehr gewachsen.