Erstellt am 27. April 2016, 05:04

von Thomas Schindler und Nina Wieneritsch

FPÖ jubelt, SPÖ und ÖVP sind zermürbt. Grüne hoffen nun, dass Van der Bellen bei der Stichwahl am 22. Mai Norbert Hofer vom ersten Platz verdrängt.

VP-Bezirksparteichef René Lobner(li.): »Die SPÖ hat sich gegen ihr eigenes Projekt gestellt.« SP-Bezirksparteichefin Karin Renner: »Das ist überhaupt kein Stil, so mit uns umzugehen.« Grünen-Bezirkssprecherin Beate Kainz(re.): »Zustimmung gibts nur für eine tatsächliche Entlastung.«  |  NOEN, NÖN

Der erste Durchgang der Bundespräsidentenwahl 2016 ist geschlagen. Auch im Bezirk Gänserndorf heißt der eindeutige Sieger Norbert Hofer. 40,1 Prozent der Wähler – um 3,7 Prozent mehr als im Bundesschnitt – stimmten hier für den Freiheitlichen.

Natürlich sehr zur Freude von FP-Bezirksparteichef Herbert Steindl: „Dass Hofer im Bezirk Gänserndorf das drittbeste Ergebnis niederösterreichweit erzielen konnte, freut mich persönlich sehr. Die Wähler haben ihm einen eindeutigen Arbeitsauftrag erteilt.“ Aber: Klar müsse sein, dass dies eine Persönlichkeitswahl sei und es nicht rein um die Partei gehe.Innerhalb der Bezirks-FPÖ liege das Hauptaugenmerk nun auf der Stichwahl am 22. Mai. „Wir werden Hofer beim Erreichen seines Zieles weiterhin helfen“, so Steindl.

Renner: "Denkzettel für die Arbeit der Bundesregierung"

Grünen-Bezirksparteichefin Beate Kainz wiederum ist überzeugt, dass Alexander Van der Bellen die Stichwahl gewinnt. Im Bezirk landete der Ex-Grüne entgegen dem Bundestrend hinter der unabhängigen Irmgard Griss auf dem dritten Platz. Kainz: „Das Ganze war jetzt einmal ein Warnschuss der Wähler für SPÖ und ÖVP. Als Präsidenten wollen die Österreicher dann aber doch keinen Freiheitlichen.“

Der rote Kandidat Rudolf Hundstorfer belegte im Bezirk den vierten Platz. SP-Bezirksparteichefin Landeshauptmann-Stellvertreterin Karin Renner sieht auf keinen Fall einen Grund zur Freude: „Leider ist es ein historisch schlechter Tag für die Republik. Das gesamte Gefüge der Republik, das wir bisher kannten, hat sich nun mit nur einem einzigen Wahlgang verändert.“

Warum konnte Hundstorfer nicht mehr punkten? „Er hat offenbar einen Denkzettel für die Arbeit der Bundesregierung bekommen.“ Renner hofft jetzt, dass bei der Stichwahl Alexander Van der Bellen Hofer von Platz eins verdrängt.

Lobner: "Votum der Unzufriedenheit"

Von einem „Warnschuss“ für die rot-schwarze Regierung spricht auch René Lobner. „Fakt ist, dass das Ergebnis ein Votum der Unzufriedenheit ist“, so der VP-Bezirksparteichef, der den Wahlausgang als „ernüchternd, aber nicht ganz überraschend“ bezeichnet. (Kandidat Andreas Khol landete im Bezirk auf dem fünften Platz.)

Angesprochen auf Khol: „Man kann ihm keinen Vorwurf machen. Er hat einen sympathischen Wahlkampf geführt. Als Einzelperson gegen die allgemeine Stimmung anzukämpfen, ist schwierig.“ Und: „Eine neue Ära wurde eingeläutet.“