Erstellt am 11. November 2015, 06:07

von Nina Wieneritsch

Für den Tod gezüchtet?. Verein Gegen Tierfabriken prangert Jagd auf Zuchttiere auf Areal der Stiftung Fürst Liechtenstein an. Betriebsleiter Damm: „Keine der fünf Anzeigen kam zur Verhandlung.“

»Als lebende Zielscheiben werden die zahmen Tiere einfach ausgesetzt und den zahlenden Gästen vor die Flinte gescheucht«, so der VGT auf seiner Internetseite.  |  NOEN, VGT

Erneut sorgen Treibjagden auf dem Areal der Stiftung Fürst Liechtenstein östlich von Hohenau für Aufruhr. Bereits vor einem Jahr hatte der Verein Gegen Tierfabriken (VGT) Anzeige wegen Übertretung des Jagdgesetzes erstattet (die NÖN berichtete). Nun dokumentierten die Tierschützer erneut zahlreiche erschossene Enten und Fasane und fordern ein Verbot für die Aussetzung von Zuchttieren zu Jagdzwecken.

„Im Revier der Stiftung Fürst Liechtenstein wurden wieder Zuchttiere gejagt. Mitten im Jagdrevier standen drei riesige Fasan-Volieren, überall waren wesentlich mehr Vögel, als einer natürlichen Population entsprechen würde. Die Jagdgäste schossen auf Enten und Fasane“, heißt es seitens des VGT.

"Es wird Zeit, diese anachronistische
Praxis zu verbieten.“

Obmann Martin Balluch war Augenzeuge: „Für normal empfindende Menschen ist es nicht nachvollziehbar, warum man auf diese zahmen Tiere schießen wollen könnte. Ich habe den Opfern in die Augen gesehen. Es wird Zeit, diese anachronistische Praxis zu verbieten.“

Auch Alexandra Benedik, Tierschutzsprecherin der KPÖ, die schon im vergangenen Jahr Zeugin gewesen war, war vor Ort. „Wenn man mit offenen Augen durch das Gebiet geht, sieht man nicht nur sehr viel Federwild, sondern auch Futterplätze und Volieren“, berichtet Benedik.

Hans Jörg Damm, Betriebsleiter des Gut- und Forstbetriebs Wilfersdorf der Stiftung Fürst Liechtenstein, relativiert: „Der VGT ist grundsätzlich gegen die Jagd und hat vergangenes Jahr fünfmal Anzeige gegen uns erstattet, die aber allesamt nicht einmal zur Verhandlung gekommen sind. Wir haben alle Regelungen strikt eingehalten.“

Jagdverordnung legt Schusszeiten exakt fest

Diese sind übrigens in der Jagdverordnung ganz klar festgelegt, wie Peter Lebersorger vom NÖ Landesjagdverband erklärt. So müssen die Tiere vier Wochen vor Beginn ihrer jeweiligen Schusszeit (die wiederum in der Jagdverordnung festgelegt ist) ausgesetzt werden. Die zuständige Behörde muss darüber informiert werden.

„Der Beginn der Schusszeit von Fasanen ist zum Beispiel der 1. Oktober, demnach müssten die Tiere spätestens am 2. August ausgesetzt worden sein“, erklärt Lebersorger und ergänzt: „Meist zeigt der VGT Sachen auf, die ohnehin schon verboten sind.“

Seitens des VGT beruft man sich indes auf Zahlen: „Der Abschuss von Fasanen stieg in NÖ vom letzten zum diesjährigen Jagdjahr von 15.000 auf 27.000 Vögel an, gleichzeitig aber nahm die Strecke im Burgenland und in der Steiermark ab. Das lässt sich nur durch massives Aussetzen von Zuchttieren erklären.“

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