Erstellt am 13. April 2017, 04:50

von Sandra Frank

„Die Türkei ist heuer unser Hauptproblem“. Griechenland und Spanien boomen. In der Türkei bleiben die Urlauber aus – aus Angst, aber auch aus Prinzip. In Anbetracht der Krisenherde und Anschläge – auch in Europa – ist es kein einfaches Unterfangen, das richtige Urlaubsziel zu finden. Oder doch? Die NÖN fragte bei Alfred Proksch, Geschäftsführer des Tui ReiseCenters, nach, wie sich das Reiseverhalten der Gänserndorfer verändert hat.

Symbolbild  |  Shutterstock, Dasha Petrenko

„Ich würde derzeit von keiner der klassischen Reisedestinationen abraten“, macht der Tui-Geschäftsführer eine klare Aussage. Zu solchen Klassikern zählen etwa die Türkei und Ägypten. „Die Türkei ist unser Hauptproblem“, spricht Proksch von „nur sehr wenigen“ Buchungen für den Sommer. Es sei weniger die Angst vor Attentaten, welche die Reisenden von einem Türkei-Urlaub abhalte, sondern eine Prinzipsache. „Österreich wurde von türkischen Politikern oft beleidigt.

Alfred Proksch, Geschäftsführer des Tui ReiseCenters in Gänserndorf.  |  NOEN, Frank

Darum wollen die Menschen dort keinen Urlaub machen“, spricht Proksch die angespannte Situation durch Staatspräsident Erdogan an. Aber: „Das Preis-Leistungs-Verhältnis in der Türkei ist einmalig.“

Angst vor Anschlägen

Die Angst vor Anschlägen sei es aber, die derzeit vorherrsche und das Reiseverhalten beeinflusse. Diese Furcht sei oft unbegründet, wie Proksch in der Praxis beobachtet. Hier wünscht sich der ReiseCenter-Geschäftsführer vor allem eines: „Die Leute sollen sich informieren und hinterfragen, ob es in einem Land wirklich so gefährlich ist.“

Denn oft können die Urlauber sich nicht daran erinnern, wann es in einem Land zuletzt einen Anschlag gab. Als Beispiel führt er etwa Ägypten an: „Es heißt immer, da ist es gefährlich, das liegt wie eine Nebelwand über Ägypten.“ Doch in den Badeorten sei schon seit Längerem nichts passiert. „Ich flieg‘ auch über Ostern nach Ägypten“, berichtet Proksch.

„Die Ängste sind oft unbegründet. Die Menschen sollten sich informieren, ob es in einem Land wirklich gefährlich ist.“ Alfred Proksch, Tui-Geschäftsführer

Destinationen, die als sicher gelten und daher für Sommerurlaube sehr beliebt sind, seien Spanien und Griechenland. „Wenn man da nicht bald bucht, hat es sich für den Sommer erledigt“, spricht der Geschäftsführer sogar schon von Buchungsstopps einiger Hotels, die sein Reisebüro bereits erreicht haben.

Aus der Sicht des Profis könnte die große Nachfrage nach Spanien- und Griechenlandurlauben noch eine Chance für die Türkei sein. „Vielleicht machen die Leute dann dort Urlaub, wenn in Spanien und Griechenland nichts mehr frei ist.“ Mit Sicherheit sagen könne er das aber natürlich nicht.

Vermehrt Reisen in die USA

Auch wenn der Geschäftsführer nicht konkret von einem Türkei- oder Ägyptenurlaub abrät, so weiß er: „Wenn der Kunde bei so einer Reise Bauchweh hat, dann bringt es nichts. Dann suchen wir ein anderes Urlaubsziel.“

Städtereisen seien nach wie vor beliebt, es werde auch vermehrt in die USA gereist. Ein neuer Trend zeichnete sich auch im Winter ab: „Die Fernreisen haben da zugenommen“, so Proksch weiter. Für eine Familie mit drei Kindern sei das aber keine leistbare Alternative zum sommerlichen Strandurlaub in Europa. Ein Land, das derzeit boome, sei Bulgarien, weiß Proksch: „Dort gibt es tolle Strände und viele Hotspots für Junge.“