Erstellt am 29. September 2015, 08:25

von Nina Wieneritsch

Rentner ortet Mordkomplott. 70-Jähriger fühlt sich verfolgt. SPÖ-Anhänger würden ihn „fertigmachen“ wollen – bis hin zu Mordversuchen. SP-Urgestein Daubeck: „Er schiebt seinen Frust auf Partei.“

Anton Styrsky (70) war laut eigener Aussage Opfer von mehreren Mordversuchen.  |  NOEN, Foto: Wieneritsch

„Seit 1985 will man mich fertigmachen. Man will mich zwingen, so lange zu prozessieren, bis ich mir nichts mehr leisten kann. Das Ganze wird von der SPÖ gesteuert.“ – Was klingt, als wäre es an den Haaren herbeigezogen, ist Anton Styrskys bitterer Ernst.

Seit 1968 besitzt der heute 70-jährige ehemalige Gaswerk-Mitarbeiter ein Haus in Gänserndorf-Süd und pendelt seither zwischen NÖ und Wien-Floridsdorf hin und her. Im 21. Wiener Bezirk nahm das Unglück Mitte der 1980er auch seinen Ausgang.

„Styrsky schiebt seinen ganzen Frust auf die Partei.
In Gänserndorf kann er sich nichts erwarten.“
Josef Daubeck, Gänserndorfs Ex-SP-Vizebürgermeister

Styrsky gehörte damals der SPÖ an – „aus Idealismus und nicht wie viele aus Profitsucht“, wie seine damalige Gattin, heute Ex-Frau, in einem Brief an Leopold Gratz (ehemaliger Bürgermeister Wiens und späterer Außenminister) schilderte (Dokument liegt der NÖN vor). In seiner Sektion organisierte Styrsky Feste – einmal sogar für 3.500 Leute –, gründete die größte sozialistische Jugendgruppe Wiens – mit 75 Mitgliedern – und setzte sich über Parteigrenzen hinweg für Mieter ein. Auch als Bezirksvorsteher sei er vorgeschlagen worden, was er jedoch ablehnte.

Stattdessen war er in seiner Sektion in der Kontrolle tätig und wurde prompt fündig: „Der Hauptkassier ließ Geld verschwinden. Das musste ich aufzeigen“, so Styrsky. Eine Anschuldigung, aufgrund derer der damals 40-Jährige vor das Schiedsgericht musste – der Parteiausschluss drohte. Bewahrheitet hat sich Styrskys Vorwurf nicht. „Was daraufhin folgte, waren boshafte Sachbeschädigungen, eine Kontrolle nach der anderen in der Arbeit und Mordanschläge“, so der Rentner, der heute nebenbei noch Putzmittel vertreibt – das jahrelange Prozessieren habe ein großes Loch in seinem Haushaltsbudget hinterlassen.

„Zwei meiner Hunde wurden umgebracht“

In den vergangenen Jahren hätten Unbekannte immer wieder die Bremsschläuche seiner Autos durchgeschnitten. Derartige Vorkommnisse würden bis heute andauern. Zwei seiner drei Hunde habe man erschlagen, sie habe er in Floridsdorf begraben, einen davon erst vor zwei Wochen. Und als ob das nicht genug wäre, hätten politisch belangte Anwälte Falschaussagen gegen ihn getätigt und von ihm erstattete Anzeigen seien absichtlich in Schubladen verschwunden.

Und Styrsky glaubt zu wissen, wer für diese Vorkommnisse verantwortlich ist: „Das Ganze wird von der SPÖ gesteuert, zuerst nur in Wien, mittlerweile auch in Gänserndorf. Insgesamt habe ich heute einen Schaden von rund 200.000 Euro.“

Josef Daubeck, rotes „Urgestein“ der Bezirkshauptstadt, kennt Styrsky auch aus seinem räumlichen Umfeld, lebt er selbst doch ebenfalls in „Süd“. Konfrontiert mit Styrskys Anschuldigungen gegen die Partei, meint er: „Vielleicht hat er sich etwas erwartet, beispielsweise eine Wohnung, und ist jetzt enttäuscht. Auf alle Fälle schiebt er seinen ganzen Frust auf die Partei, obwohl er sich alles selbst zuzuschreiben hat.“

Mit seinen Gänserndorfer Nachbarn habe Styrsky ebenfalls kein gutes Verhältnis und auch die Polizei sei schon des Öfteren bei ihm gewesen. „Ich weiß aber selbst nichts Genaues“, so Daubeck, der die Anschuldigungen jedenfalls „nicht für voll“ nimmt. Und: „In Gänserndorf kann er sich von der Partei nichts erwarten. Schon allein deshalb nicht, weil er den Kontakt hierher nie so stark gepflegt hat wie in Wien.“