Groß-Enzersdorf

Erstellt am 21. Oktober 2016, 05:00

von Ulla Kremsmayer

Endlich wieder vereint: Aladin trifft Familie wieder. Tränen der Freude und große Erleichterung: Nach langem Hin und Her und vielen bürokratischen Hürden konnte nun die Familienzusammenführung stattfinden.

Über ein Jahr lang war die Familie getrennt gewesen, nun gab es das große Wiedersehen auf dem Flughafen Wien-Schwechat, auf dem die Mutter mit den restlichen Geschwistern landete.  |  Kremsmayer

Aladin meldet sich am Sonntag schon zeitig in der Früh freiwillig zum Kuchenbacken, denn heute kommt Mama – oder genauer gesagt seine Mutter und die fünf Geschwister, die er seit Juli des vergangenen Jahres nicht mehr gesehen hat.

Lange dauerte die Prozedur der Familienzusammenführung, voller bürokratischer Hürden, zwischenzeitlich hatten wir schon fast aufgegeben. Aber jetzt wird Teig gemixt und Äpfel werden geschnitten für den Begrüßungskuchen. Dabei muss ich Namen und Alter der Geschwister üben, Aladin hat seine Freude damit und lacht mich ständig aus. Er erklärt mir auch die Familiengeschichte: Seine Oma hat Fatima für seinen Papa ausgesucht, der schon früh heiraten wollte – und die beiden jungen Leute hätten sich damals gleich gemocht.

Wiedersehen auf dem Schwechater Flughafen

Dann endlich spätabends in Schwechat, nach schier unendlichem Warten, öffnet sich die Schleuse und sie sind da. Und die Tränen der Freude – auch ich muss schwer schlucken, als sie schließlich auch uns weinend und lachend um den Hals fallen. Und dann ein Foto, bitte, zur Erinnerung. Daheim, eigentlich schon zur guten Nacht, wird groß aufgetischt.

Aladin und Abdul Rahman, die Buben, geben die Hausherren, servieren elegant, dozieren über Gemüsesuppe und Paprikahenderl, ihre neuen Leibspeisen, essen mit streng angelegten Ellbogen, zeigen, wie man Messer und Gabel richtig hält und schütteln dabei die Köpfe über die Neuankömmlinge. Ich muss eingreifen: Nein, lasst sie doch heute noch mit dem Löffel essen.

Ein Neuanfang

Ich freue mich über das große Glück am Tisch, Ahmet herzt mich immer wieder dankbar. Meinem Mann wird derweil immer mulmiger zumute, jetzt beginnt alles von vorn, murmelt er müde beim Abräumen. Ja, nicht nur die Amtswege, auch die abendlichen Nachhilfestunden, das mühsame Deutschlernen, die Eingewöhnung ins Österreichische … jetzt plus sechs.

Wir wissen, dass sie wohl mindestens ein Jahr noch ziemlich hilflos sein werden, und wir sind schon müde geworden, nicht nur heute Abend nach einem aufregenden Tag. Aladin ist nach halb eins in der Nacht noch geschwind für seine Mathe-Aufgabe heraufgekommen, die war liegen geblieben. „Nein, zumindest für heute ist Schluss“, sage auch ich erschöpft.