Groß-Enzersdorf

Erstellt am 15. Juli 2016, 04:00

von Ulla Kremsmayer

NÖN-Reportage: Kein Recht auf Familie?. Aladin und Abdul haben ein gutes Zeugnis erhalten und schwimmen gelernt. Ihre Geschwister in türkischen und griechischen Asyllagern dürfen keine Schule besuchen.

Aladin und Abdul schwimmen jetzt auch ohne Schwimmscheiben – ganz richtig, wie die Frösche.  |  Kremsmayer

Im Zeugnis standen lauter Einser, Deutsch und Rechnen wurden noch nicht beurteilt. Im Herbst kommen Aladin und Abdul in die vierte Klasse, drei Jahre Volksschule – Artikel, Fälle, das Einmaleins, Multiplizieren und Dividieren – werden im Sommer nachgeholt. Und nach drei Wochen Plackerei können sie jetzt auch ohne Schwimmscheiben schwimmen. Spät für Zehnjährige – aber früher gab es dafür keine Zeit und auch kein Wasser.

Ihre Geschwister sitzen inzwischen weiterhin ohne Schulbildung in der Türkei und in Griechenland. Die Väter und die Buben warten auf sie – und die Mütter. Immer öfter sehe ich sie weinen.

Die Beziehungen werden sich verändern, macht sich Psychologin Christine Sorgen – sie werden einander fremd, die Kinder vielleicht ihre Väter nicht mehr erkennen.

Rest der Familien warten in Griechenland und Türkei

In Griechenland hat, trotz mehrfacher Ankündigungen, noch immer kein Beamter den Weg ins Lager im Gebirge gefunden, wo Majada und die restlichen sechs Kinder warten. Und in der Türkei wartet Fatima auf Antwort aus der Österreichischen Botschaft. Das Recht auf Familie steht auf dem Papier und das ist geduldig.

Die heimische Asyl-Maschinerie ist mittlerweile auf Abschreckung eingestellt und wo kein Grund zur Ablehnung gefunden werden kann, setzt man auf Zeit – Zeit die die Familien zermürbt. Wie Nibras, der mittlerweile depressiv und krank geworden ist. Seine Frau im Irak hat nur noch wenige Wochen Zeit, um ihre Anträge in Teheran einzureichen, doch sie erhält keinen Termin.

Schneller geht der Behördenlauf bei jenen, die zurückgeschickt werden sollen, weil sie in Kroatien oder Mazedonien einen Fingerabdruck hinterlassen haben – da helfen auch keine Deutsch-Kenntnisse, gute Nachbarschaft oder eine Liebesgeschichte. Helferinnen fühlen sich allein gelassen, kämpfen gegen Windmühlen und versuchen gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Aber es ist Sommer und wir können ja baden gehen, auch die Väter werden noch schwimmen lernen.