Erstellt am 14. Januar 2016, 05:33

von Ulla Kremsmayer

Großer Tag für die Syrer. Ulla Kremsmayer berichtet über das Leben mit syrischen Asylwerbern, die bei ihr im Stadtl wohnen. Zuletzt ging es ins Flüchtlingslager nach Traiskirchen.

Ulla Kremsmayer mit den syrischen Flüchtlingen Abdul Hamid und Ahmed im Lager in Traiskirchen.  |  NOEN, Hannes Vogler

Es war der große Tag: Vorladung zum Interview nach Traiskirchen, Montag acht Uhr früh, Haus F. Die Tage davor sind von Nervosität und Aufregung bestimmt.

Wir schauen am Vorabend noch einmal alle Dokumente durch. Das Familienregister von Abdul Hamid ist nicht rechtzeitig angekommen. Er scheint kein Glück mit der Post zu haben: Das Weihnachtspaket für seine Kinder in der Türkei ist auch verschwunden, Ahmeds Packerl hingegen pünktlich angekommen, wie auch sein Familienbuch. Wie auch immer, am liebsten würden sie in der Kirche übernachten und die ganze Nacht beten, sagen sie. Es wird schon gut gehen, beruhigen wir, und sind selbst aufgeregt.

Früher Aufbruch nach Traiskirchen

In aller Herrgottsfrüh brechen wir auf, wie machen das andere, in irgendwelche Ecken Niederösterreichs verschlagene Flüchtlinge ohne Familienanschluss? Es ist eisig kalter Morgen, vor dem Lager warten dünn bekleidete Eriträer, sie dürfen nicht hinein, Aufnahmesperre, sie müssen sich eine andere Notunterkunft suchen.

Endlich finden wir das richtige Haus, vor dem Eingang friert auch ein armer Wächter in seinem Kastenwagen, mit klammen Fingern kontrolliert er unsere Ausweise. Dann ins Wartezimmer, auch hier ist es kalt, den dicken Mantel lasse ich gerne an. Es warten schon zwei Asylwerber auf ihr Gespräch, es wird neun, als der erste hereingerufen wird.

Auf Nervosität folgt Erleichterung

Ahmet kommt nach 11 Uhr dran, dann Abdul Hamid. Die Befragung durch eine junge Beamtin und einen Dolmetscher ist sehr freundlich und geradezu hilfsbereit. Ja, das Familienbuch soll ich nachschicken. Die beiden werden, sobald es da ist, ihren Bescheid bekommen. Ja, und dann kann auch um Familienzusammenführung angesucht werden. Es ist 13 Uhr, als wir das Haus verlassen, ich bin durchgefroren, den Männern ist heiß vor Aufregung.

Zur Feier des Tages gehen wir auf eine Pizza, die lieben sie alle. 50 Euro bezahlen wir, großes Erschrecken: In Syrien würde das höchstens zehn Euro kosten. Ja, Österreich wird noch eine große Herausforderung für die Familie werden. Die Pizzapreise sind da nur ein kleiner Vorgeschmack.