Erstellt am 10. September 2015, 05:32

von Robert Knotz

Grundwasser in Gefahr?. Projekt-Gegner schlagen Alarm: Nun soll auch das Grundwasser gefährdet sein. Betreiber beruhigt: "Sickerwasser ist in geschlossenem System."

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"Man hat sich so sehr auf die stichhaltigen Argumente– Verkehr, Feinstaub, gefährliche Stoffe – gegen den Marchfeldkogel konzentriert, dass das Thema Wasser bis jetzt anscheinend in den Hintergrund getreten ist“, so VP-Gemeinderat Christian Bauer.

"Haarsträubende Dinge ans Tageslicht gebracht"

Gutachter Wolfgang List und Sachverständiger Johann Wimmer haben sich der Sache angenommen und dabei laut eigener Aussage haarsträubende Dinge ans Tageslicht gebracht, die das sofortige „aus“ des Projekts nach sich ziehen müssten: Vom Betreiber sei vorgesehen, das Sickerwasser der Baurestmassendeponie gemeinsam mit Oberflächenwasser des Recyclingplatzes zur Staubbindung bei der Bauschuttaufbereitung zu verwenden. Dies sei nicht zulässig. Vor allem mit dem Hintergrund, dass – um die ärgsten Staubemissionen in den Griff zu bekommen – der Wasserbedarf des Projekts in der Zwischenzeit mit ca. 500.000 Litern pro Tag anzusetzen sei und dies nicht mehr durch das Brunnenwasser abgedeckt werden kann.

Auch Wolfgang Rehm von der Umweltorganisation „Virus“ schlägt in dieselbe Kerbe: „Die benötigten Wassermengen übersteigen jene Mengen, die der beantragte Brunnen liefern kann, um ein Vielfaches.“

Rehm spricht von "Umwelt-Zeitbombe"

Weiters würden die Betreiber gesetzwidrig Deponiesickerwasser außerhalb des spezifischen Kompartiments zum Berieseln im Bereich der Bauschutt-Aufbereitungsanlage einsetzen wollen. „Es ist auch festzuhalten, dass dieses Verdunsten anstelle einer ordnungsgemäßen Entsorgung von Sickerwasser eine ständige schleichende Anreicherung von Schadstoffen bewirkt, die erst über das Ende der Deponielaufzeit hinaus voll zur Geltung kommen und somit einer Umwelt-Zeitbombe gleichkommt,“ kritisiert Rehm.

Reisner: „Deponien sind abgedichtet"

Projektbetreiber Matthias Reisner kontert: „Dies wurde wieder einmal völlig fehlinterpretiert. Das Sickerwasser jeder Deponie ist in einem geschlossenen System und hat mit dem Grundwasser nichts zu tun. Deponien sind abgedichtet. Das Wasser befindet sich in einem Sammelbecken und wird, sofern erforderlich, entweder fachgerecht entsorgt, in Kläranlagen aufbereitet oder zur Staubbeseitigung herangezogen. Im letzteren Fall fließt das Wasser über Dränagen wieder in das Becken.“ Außerdem gebe es keinen durchschnittlichen täglichen Wasserbedarf, da dieser stark wetterabhängig sei.

Für die Staubfreihaltung des Erdaushubs und der Zufahrtswege sei Wasser aus dem Brunnen der Firma Herzer vorgesehen. Es wurde um eine Erweiterung auf 120 Kubikmeter pro Tag angesucht.