Erstellt am 15. November 2015, 05:08

von Erwin Nußbaum

Nitrat-Streit flaut nicht ab. Nach Rechnungshof-Kritik an Schutzmaßnahmen im Marchfeld meldet sich Agrar-Sachverständiger Alois Leidwein zu Wort: „Landwirtschaft ohne Nitrat nicht möglich.“

Sachverständiger Leidwein: »Rucola und Spinat sind bedenklicher als Wasser.«  |  NOEN, Foto: privat

Alois Leidwein, Landwirtschafts-Sachverständiger aus Dürnkrut, meldet sich in der Causa Grundwasser-Qualität zu Wort: „Ohne Nitrat (=Stickstoff) kann keine Pflanze gedeihen. Landwirtschaftliche Produktion erfordert Düngung mit Stickstoff, weil die Feldpflanzen diesen aus dem Boden ziehen und in Eiweiß umwandeln.“

Nachdem die NÖN in der vergangenen Woche über den Resolutionsantrag des Landtagsabgeordneten Walter Naderer zur Verbesserung der Qualität des Grundwassers im Marchfeld berichtete, meint Leidwein, dass es zwar legitim sei, über Sinn und Kosten von umweltpolitischen Maßnahmen zu diskutieren, der Streit über Nitrat im Marchfelder Grundwasser „ist jedoch erschreckend niveaulos“.

Biolandbau löst Problem nicht

In bestimmten Regionen wie dem Marchfeld sei es aufgrund natürlicher Bedingungen (Boden, Klima) unmöglich, Landwirtschaft ohne Düngung und die dadurch eintretende Beeinflussung des Grundwassers zu betreiben.

„Alle Maßnahmen können nur auf eine Minimierung des Nitrateintrages ins Grundwasser abzielen und das wird auch gemacht“, meint Leidwein. Die einzige Alternative sei, „die Landwirtschaft im Marchfeld gänzlich einzustellen und stattdessen aufzuforsten“.

Auch mit Biolandbau sei das Problem nicht zu lösen, weil auch hier Nitrat in den Wasserkreislauf gebracht werde.

Wassergrenzwert als Vorsichtsmaßnahme

Leidwein versucht zu beruhigen: „Nitrat ist an und für sich nicht giftig. Ein Erwachsener kann täglich 250 mg zu sich nehmen, ohne dass irgendein Effekt zu beobachten ist.“ Nitrat komme natürlich in vielen Lebensmitteln vor. Der Wassergrenzwert für Nitrat sei demnach vor allem eine Vorsichtsmaßnahme, da die Nitratzufuhr über andere Lebensmittel kaum kontrolliert werden könne.

Abschließend bekrittelt Leidwein den Rechnungshof-Bericht, der den Wasserschutzmaßnahmen im Marchfeld ein schlechtes Zeugnis ausstellt: „Die Nitratwerte aus 2012 den gesetzten Maßnahmen gegenüberzustellen, ist fachlich unsinnig, da die Grundwasserneubildung im Marchfeld rund 15 Jahre benötigt. Die Nitratwerte des Rechnungshof-Berichtes spiegeln also die Bewirtschaftung von 1997 wider.“