Erstellt am 01. April 2016, 05:04

von Stefan Havranek

Hanf und krumme Gurken. Georg Kalenda eröffnet am 1. April den ersten "Growshop" in der Stadt. Der NÖN verrät er, warum er dort vermeintlich illegale Pflanzen verkaufen darf und was dahintersteckt.

Alois Posch und Georg Kalenda (v.l.) vor den Mutterpflanzen. Über 250 Hanf-Sorten werden in Deutsch-Wagram erhältlich sein.  |  NOEN, Havranek

DEWenn man das Geschäftslokal von „Krumme Gurken“ in der Hauptstraße 35 betritt, fällt einem der süßliche Geruch, der in der Luft liegt, auf. Eine Theke aus Holz steht rechts im mit kräftigem Grün und Braun ausgemalten Raum und sofort fällt der Blick auf die Quelle des eigentümlichen Geruchs: Im straßenseitigen Schaufenster stehen sechs große Hanfpflanzen in gleißendem Licht. Trotzdem macht sich der gebürtige Ollersdorfer Georg Kalenda, Franchise-Nehmer des Shops, keine Sorgen wegen der Polizei.

Er wird am Freitag, 1. April, hier den ersten „Growshop“ in Deutsch-Wagram eröffnen (Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag 12 bis 19 Uhr, Samstag 10 bis 15 Uhr). Obwohl er Hanfpflanzen verkauft, steht er keineswegs im Konflikt mit dem Gesetz, wie er erläutert: „Die Rechtslage sieht vor, dass Pflanzen einen THC-Gehalt von maximal 0,2 Prozent haben dürfen, ansonsten wäre der Verkauf ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz.“ Zur Erklärung: THC (Tetra-Hydro-Cannabinol) zählt zu den psychoaktiven Cannabinoiden und ist der hauptsächlich rauschbewirkende Bestandteil der Hanfpflanze.

Steirischer Bio-Pionier und Krumme Gurken“- Gründer

Es ist nur das bekannteste der über 60, auch medizinisch wirksamen, Cannabinoide, wie Alois Posch, ein steirischer Bio-Pionier und Gründer sowie Franchise-Geber von „Krumme Gurken“, weiß: „Gewisse Wirkstoffe werden zur Behandlung von psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie verwendet.“

Dennoch wird großer Wert darauf gelegt, dass hier nur Zierpflanzen verkauft werden: „Wenn die Stecklinge in die Blüte geschickt werden, wird der erlaubte THC-Gehalt überschritten. Das machen wir jedem Kunden, der übrigens mindestens 19 Jahre alt sein muss, klar. Wenn mir irgendwas verdächtig vorkommt, gibt es auch keinen Verkauf“, versichert Kalenda.

Posch, der die Produktionsstätte in der Südsteiermarkt betreibt, setzt bei „Krumme Gurken“ aber nicht nur auf Hanf: Ihm liegt der Erhalt von genetischer Vielfalt am Herzen: Er hat beispielsweise eine Genetik-Bank von über 200 Paradeiser-Sorten. Darunter auch die Sorte „Primabella“, die immun gegen die Kraut- und Knollenfäule und die Sandflecken-Krankheit ist.

„Züchtungskompetenzen von Konzernen holen“

„Mein Ziel ist es, Züchtungskompetenzen von Großkonzernen zurückzuholen, denn es ist wichtig, auch Sorten von denen Kunden gar nichts wissen, zu erhalten. Es gibt wesentlich mehr Paradeiser-, Gurken - oder Paprikasorten, als im Supermarkt erhältlich sind“, so Posch.

Derzeit liegt der Fokus aber noch auf biologisch produzierten Hanfstecklingen: Sie werden von den Mutterpflanzen geschnitten, in Weidenwasser getaucht, um die Bewurzelung zu verbessern, in Bio-Erde gesteckt und dann im Shop verkauft. Dabei wird darauf geachtet, dass im Geschäft nichts zu erwerben ist, das die Kunden zum Konsum der Pflanzen animiert.