Erstellt am 20. April 2016, 05:04

von Markus Szelnekovics

Heißer Streit um kühles Nass in Leopoldsdorf. Land NÖ drängt Leopoldsdorf wegen schlechter Grundwasser-Qualität zur Errichtung einer öffentlichen H2O-Versorgung - sonst droht die Schließung von Betrieben.

Grünen-Gemeinderat Schwarz: »Begrüßen, dass Thema nun behandelt wird.«  |  NOEN, Archiv

SP-Bürgermeister Thomas Nentwich steht zwischen zwei Fronten und die Gemeinde mit dem Rücken zur Wand. Die NÖ Landesregierung drängt die Marchfeldgemeinde zur Einhaltung der Trinkwasserverordnung und Errichtung einer öffentlichen Wasserversorgung.

Hohe Nitrat- und Pestizidwerte im Grundwasser

Nentwich und der zuständige geschäftsführende SP-Gemeinderat Wilhelm Herok luden aus diesem Anlass die Bürger der Marktgemeinde zu zwei Informationsabenden in die Sporthalle der Mittelschule. Die Marchfeldgemeinde gehört zu den letzten „gallischen Dörfern“, die keine zentrale Trinkwasserversorgung haben – und das in einem Gebiet, wo kaum ein einziger Hausbrunnen Wasser in trinkbarer Qualität fördert.

Der Zustand des Grundwassers leidet unter den über Jahrzehnte hinweg unverändert hohen Nitratwerten, fallweise auch unter zu hohen Pestizidwerten und – bedingt durch schlecht gewartete und überalterte Hauswasserwerke – auch vereinzelt unter Keimbefall.

Warum drängt die Landesregierung zur Errichtung einer öffentlichen Wasserversorgung? Die derzeitige Situation sei gesetzeswidrig und es droht die Schließung der lebensmittelverarbeitenden Betriebe (Wirtshäuser, Supermärkte etc.). Zudem wurden seit mehr als einem Jahr keine Umwidmungen in Bauland mehr genehmigt und der Gemeinde damit die Grundlage für moderates Wachstum entzogen.

„Wir stehen mit dem Rücken zur Wand"

Der Ortschef dazu: „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand, und unsere blühende Gemeinde droht für Betriebe, Gewerbe und sonstige Infrastruktur-Einrichtungen unattraktiv zu werden.“ Bei der Info-Veranstaltung bestätigten zahlreiche Experten und Ressortleiter des Landes NÖ diese Prognose und bemerkten abschließend, dass nach zwei Jahrzehnten des Aufschiebens nun kein weiterer zeitlicher Spielraum mehr existiere.

Als Konsequenz hatte die Gemeinde eine Machbarkeitsstudie für eine öffentliche Trinkwasserversorgung in Auftrag gegeben. Nun muss sich Leopoldsdorf zwischen der autonomen Aufbereitung durch die Gemeinde selbst und dem Anschluss an einen überregionalen Anbieter entscheiden.

Die genannte Hiobsbotschaft versetzte die anwesenden Bürger in Unmut. Sie äußerten ihren Zorn darüber in langen Diskussionsrunden mit den Experten des Landes NÖ. Vor allem die Notwendigkeit einer Trinkwasserversorgung war für viele nicht nachvollziehbar.

Grünen-Gemeinderat Lukas Schwarz: „Wir begrüßen, dass das Thema Trinkwasser nun endlich behandelt wird, auch wenn beide Varianten ihre Vor- und Nachteile haben“. Und Schwarz weiter: „Ich kann die Sorgen der Menschen nachvollziehen, aber man muss auch bedenken, dass wir gegen geltendes Recht verstoßen.“ Nentwich und der Gemeindevorstand sind bereits am 25. April wieder in St. Pölten vorgeladen.