Erstellt am 18. November 2015, 05:03

Hotel-Pächter klagt Ämter. Ehemaliger Tourismusmagnet blickt ungewissen Zeiten entgegen. Hotel-Pächter blitzte mit Anzeige vorerst ab, der Tavernen-Betreiber hingegen will ein „Paradies“ schaffen.

Hotel am Sachsengang: Die letzten Dinge werden ausgeräumt, die Zukunft ist ungewiss.  |  NOEN, Ulla Kremsmayer

Das eine Haus, das Hotel am Sachsengang, leert sich gerade endgültig – vor dem Tor des einst stolzen Betriebes steht nur noch ein ukrainischer Lieferwagen. Eine Dame mit Hund, es ist wohl die scheidende Pächterin, verschwindet im Haus. Pächter Rudolf Kuhnert will nicht fotografiert werden, sagt am Telefon, er sei auch gar nicht im Land.

Anzeige gegen Steinhauser und Tomsic

Zuvor hatte er einige Darstellungen für die Medien hinterlassen. Darunter ein Brief an Landeshauptmann Pröll und eine Anzeige an den Staatsanwalt, gerichtet gegen Bezirkshauptmann Martin Steinhauser und SP-Bürgermeister Hubert Tomsic. Sie hätten zugesehen, wie Behördenauflagen – etwa für einen ordnungsgemäßen Brandschutz oder genießbares Wasser – seit Jahrzehnten nicht erfüllt worden seien, hätten die Nicht-Erfüllung nicht sanktioniert. So konnte ihm bei der Übernahme ein funktionstüchtiges Hotel vorgegaukelt werden.

Denn erst nach der Übernahme sah er sich mit eben diesen Auflagen neuerlich konfrontiert, deren Erfüllung ihn rund 2 Millionen Euro gekostet hätten, klagt er. Damit sei er zum Scheitern verurteilt gewesen. Sein erster Vorwurf war schon vor gut einem Jahr an die Stiftung Sachsengang, die das Erbe des Sachsengang-Begründers Hubert Winkler verwaltet, gerichtet. Die Stiftung aber erklärte, dass Kuhnert freilich von den Mängeln gewusst habe und er daher einen deutlich vergünstigten Preis zu zahlen gehabt hätte, den er bis dato aber noch nicht beglichen habe.

Aus diesem Streit resultierte der Räumungsvergleich, der Kuhnert und Gattin zum Auszug mit Anfang November zwang. Doch auch sein Schlag gegen die Behörden geht nun ins Leere. Die Staatsanwaltschaft in Korneuburg hat seine Anzeige bereits als nicht stichhaltig zurückgewiesen. Kein Comeback also für den Hotelier. Die Stadtler Grünen wollen den Fortbestand als Beherbergungsbetrieb unbedingt sichern, war doch das Sachsengang Aushängeschild und Tourismusmotor.

Auch für Tomsic wäre dies das wünschenswerteste Szenario. Derweil hat aber die Stiftung schon bei der Gemeinde angeklopft und um eine Umwidmung des Areals in Bauland angesucht. Einen Grundsatzbeschluss dafür hat der Stadtrat bereits getroffen.

Zwischennutzung für Flüchtlinge im Gespräch

Ebenso ist eine Zwischennutzung zur Flüchtlingsunterbringung immer wieder im Gespräch. Angesichts der Auflagen – vor allem im Bereich Brandschutz – wären aber wohl die Investitionen für die öffentliche Hand bzw. die Caritas zu hoch. Man könne nur die wenigen Zimmer im Erdgeschoß, die bis zuletzt vermietet waren, nutzen.

In der Taverne am Sachsengang prangt zwar schon groß das Schild „Griechische Taverne am Sachsengang“, aber von der versprochenen Neueröffnung im Sommer 2015 ist man längst abgekommen. Doch drinnen wird gewerkt. Carlos Constantinos hat gerade den Garten bepflanzt. Auf 6.600 m stehen rund 20 Palmen, 30 Zypressen, 40 Oleander und 30 Olivenbäume, sieben davon mit ehrwürdigem Alter und dementsprechendem Preis, erklärt Constantinos stolz: „Das wird hier ein Paradies.“

Drinnen richtet man gerade die Küche ein, dekoriert das Lokal mit alten Steinen, macht den Kamin funktionstüchtig. Carlos managt hier das meiste im Alleingang, mit viel Liebe zum Detail und zu seiner Heimat Griechenland. Wenn auch sein Sohn mit Lokalen in Guntramsdorf, Klosterneuburg und Innsbruck aufwarten kann, so wird die hiesige Taverne doch ein echter Familienbetrieb sein. Der Grieche wird hier mit Frau und Kindern einziehen und das Lokal betreiben. Aber es wird wohl noch eine Weile dauern, bis das Paradies geöffnet wird.