Deutsch-Wagram

Erstellt am 21. April 2017, 02:05

von Robert Knotz

Verein „Stadtbus“: Bus an die Wand gefahren. Der Verein „Stadtbus“ ist in die Insolvenz gerutscht. Opposition wirft ÖVP Inkompetenz vor. Die Schwarzen kontern: „Der Stadt ist kein Schaden entstanden.“

Der Verein „Mobilität Deutsch-Wagram“ soll den Karren aus dem Dreck ziehen und den Busbetrieb weiterführen.  |  NOEN, Knotz

Der Verein Stadtbus ist in den Konkurs geschlittert. Bereits im Dezember des Vorjahrs wurde den Busbetreibern Zahlungsunfähigkeit attestiert. Damals wurde das Verfahren mangels Masse jedoch nicht eröffnet.

Der Obmann des Vereins „Stadtbus“, Karl Sauer, bestätigt der NÖN gegenüber die Insolvenz: „Wir haben versucht, auch abseits des normalen Fahrbetriebes Akzente zu setzen. Dabei haben wir uns leider übernommen und ich möchte mich bei allen entschuldigen, die jetzt dadurch einen Nachteil haben.“

Laut VP-Stadträtin Hilde Toth hat sich der Verein finanziell zu weit hinausgelehnt. Es seien Dinge geleast worden, die man sich nicht leisten konnte und deshalb hätte man die Raten nicht bezahlt. Ein weiteres Problem war, dass Sauer und sein Kollege Harald Stuiber bereits mit privaten Schulden in den Verein eingestiegen wären und beim jetzigen Konkursverfahren nicht darauf hingewiesen hätten. Somit seien private Verbindlichkeiten auf den Verein übergegangen.

"Der Öffentlichkeit ist kein Schaden durch den Konkurs entstanden."Hilde Toth

„Der Betrieb als Rufbus wurde durch finanzielle Mittel der Stadt gedeckt. Der Öffentlichkeit ist kein Schaden durch den Konkurs entstanden. Viele positive Rückmeldungen über den Fahrbetrieb bestätigen uns aber, dass sowohl das Angebot als auch der Betrieb sehr erfolgreich waren. Dafür sprechen alleine schon die Fahrgastzahlen und das Interesse der Bevölkerung“, so Toth.

Was die VP versucht zu erklären, bringt die Opposition auf die Palme. „Als wir vor fünf Jahren gezeigt haben, wie ein öffentlicher Busverkehr funktionieren kann, war die Resonanz groß. Was die ÖVP jetzt daraus macht, ist zum Heulen. Völlig hilflos wird herumgefuhrwerkt, ein schrottreifer Bus angekauft, das Konzept verstümmelt“, so die !wir-Bürgerliste in einer Aussendung.

!wir-Stadtrat Peter Lauppert dazu: „Seit die ÖVP das Projekt Stadtbus übernommen hat, hat sie es bis zur Unkenntlichkeit entstellt und in den Boden gefahren. In der Ausschusssitzung nach dem Konkurs im Dezember waren wir uns noch darüber einig, dass die erste Maßnahme darin besteht, das fehlende Zahlenmaterial zusammenzutragen, um Aufschluss über das Betriebsgeschehen zu gewinnen. Das ist nicht erfolgt.“

SPÖ: „Die Kontrolle der Stadt fehlte“

Auch die SPÖ äußerte sich zum Konkurs: „Fehlende Kontrolle der Stadt und fehlende bzw. nicht herausgegebene Unterlagen für die im Stadt- und Gemeinderat massiv Druck machende Opposition zeigen die Wirtschaftskompetenz und das Demokratieverständnis der regierenden ÖVP. Jetzt sind mit der zweiten Konkurseröffnung innerhalb von fünf Monaten die Auswirkungen sichtbar“, so SP-Stadtrat Harald Nikitscher.

Vorschläge zu Verbesserungen, um den Betrieb sinnvoll aufrecht zu halten, seien seitens der ÖVP ignoriert worden. Steuergesetze, Sozialgesetze und Arbeitsrecht seien mit Füßen getreten worden. „Leidtragende sind auch die engagierten Mitarbeiter des Vereins, welche bestmöglich einen Busbetrieb aufrecht erhalten wollten.“ SPÖ-Klubobmann Gustav Ewald und Nikitscher uniso: „Seit Monaten wird bei diesem Thema in den Gemeindegremien verschleiert, versteckt, herumgemurkst und fast jeden Monat eine neue Überraschung präsentiert.“

Wie geht es weiter? Laut VP-Stadtrat Markus Mandl hat sich unter dem Namen „Verein Mobilität Deutsch-Wagram“ eine private Initiative gebildet, die den Busbetrieb aufrechterhalten will. „Die Mitglieder können sicher sein, dass der gewohnte Komfort bestehen bleibt und durch die Umstellung keine Kosten entstehen“, so Mandl.