Deutsch-Wagram

Erstellt am 25. August 2016, 02:33

von Robert Knotz

Amazonas statt Rathaus. Grünen-Gemeinderätin Bettina Bergauer berichtet über ihre eindrucksvollen Erlebnisse während der Klimabündnis-Reise in die Weiten des brasilianischen Regenwalds.

Grünen-Gemeinderätin Bettina Bergauer besuchte die Einwohner des Amazonas-Regenwaldes.  |  Klimabündnis

Grünen-Gemeinderätin Bettina Bergauer hat mit einer Delegation von „Klimabündnis Österreich“ (globale Partnerschaft zum Schutz des Weltklimas) eine Reise in den Amazonas-Regenwald unternommen, um sich vor Ort über die Erfolge der Zusammenarbeit des Klimabündnisses und über die Folgen des Klimawandels informieren. Im NÖN-Exklusivinterview erzählt sie von ihren Erlebnissen.

NÖN: Wie kam es zu der Reise?
Bettina Bergauer: Deutsch-Wagram ist seit 1997 Klimabündnisgemeinde. Im Jänner dieses Jahres wurden alle Mitgliedsgemeinden eingeladen, einen Vertreter für die Teilnahme an dieser Reise vorzuschlagen. Ich habe mich beworben und wurde genommen.

Wie sind die Lebensumstände der Menschen vor Ort?
Die Menschen leben sehr einfach. Sie haben kleine Hütten mit einer Feuerstelle und schlafen in Hängematten. In den meisten Dörfern gibt es Stromnetz, das mit Dieselaggregaten betrieben wird. Das ist in der Regel aber nur zwei Stunden in der Abenddämmerung in Betrieb, weil Diesel teuer ist. Die Familien haben im Durchschnitt etwa vier Kinder.

Wie ist es um die dortige Infrastruktur bestellt?
Was den Alltag dort sehr schwierig macht, sind die großen Distanzen. In einem Gebiet so groß wie Österreich und Slowenien zusammen gibt es keine Straßen, keine Eisenbahn, keine Flughäfen. Es gibt lediglich den Fluss, der nur mit relativ kleinen Booten befahren werden kann. Eine Reise in die Bezirkshauptstadt, wo es ein Krankenhaus, Geschäfte und Benzin zu kaufen gibt, und zurück dauert mit den Booten bis zu drei Wochen.

Was hat Sie am meisten überrascht?
Überrascht hat mich das doch relativ hohe Bildungsniveau der Menschen. In Brasilien besteht, wie bei uns, neun Jahre Schulpflicht.

Was verbindet uns mit den Ureinwohnern Brasiliens?
Die gemeinsame Sorge um unsere Lebensgrundlage. Die indigenen Völker wollen den Regenwald unbedingt erhalten, weil er ihre unmittelbare Lebensgrundlage darstellt.

Was sind die größten Probleme in der Region?
In dem Gebiet, das wir besucht haben, wurde das allergrößte Problem schon gelöst: Die Vertretung der Einwohner hat es nach jahrelangen Verhandlungen und mit der Unterstützung von Klimabündnis geschafft, dass ihr Gebiet von der brasilianischen Regierung als indigenes Schutzgebiet anerkannt wurde. Das heißt, dass es vor der Ausbeutung durch Firmen, die mit Rohstoffen oder Plantagen großes Geld machen wollen, geschützt ist. Problematisch ist die Abhängigkeit von Benzin für die Boote und die hohen Kosten dafür. Telefon und Internet gibt es in den meisten Dörfern nicht. Vor 15 Jahren wurden vom Klimabündnis für viele Dörfer Funkgeräte angeschafft, die bis heute das einzige Kommunikationsmittel sind.

Wie haben Sie Ihre Reise finanziert?
Ich habe die Reise aus Mitteln meiner monatlichen Aufwandsentschädigung für meine Tätigkeit als Gemeinderätin selbst bezahlt.