Jedenspeigen

Erstellt am 30. April 2017, 02:24

von Edith Mauritsch

Zeitzeuge erzählt: Kaufen beim Pawelka. Josef Bogner war als Kind Kunde der Greißlerei. Dieser widmet das Museumsdorf Niedersulz nun eine Ausstellung.

Josef Bogner wurde von Edeltraud Hruschka (Museumsdorf Niedersulz) interviewt.  |  Mauritsch

Stolze 100 Lenze zählt Josef Bogner, geboren in Jedenspeigen und einer der vier Zeitzeugen, die Edeltraud Hruschka vom Museumsdorf Niedersulz zu der neuen Ausstellung „Greißlerei Pawelka“ interviewte. Die NÖN war exklusiv mit dabei.

Bogner entstammt einer Eisenbahnerfamilie und wohnte im Unterort. Drei Läden gab es damals in der Gemeinde, Familie Bogner deckte ihren Bedarf meist beim Kaufmann Ertl, der am nähesten war.

Der rüstige Senior erinnert sich: „Schon als kleiner Bub schickte mich die Mutter um die Germ für die ‚Wuchteln‘, die es freitags gab. Für den Vater holte ich Zigaretten, nur stückweise, ganze Packungen konnten wir uns nicht leisten.“ Und ganz selten, wenn mal ein paar Groschen übrig waren, gab es für die Kinder „Stollwerk“, das süße, klebrige Naschwerk.

„Er war nicht sehr freundlich zu mir, weil wir sonst nicht zu ihm einkaufen gingen.“Josef Bogner

Zur Greißlerei Pawelka gingen die Bogners nur in Ausnahmefällen, wenn Eisenwaren benötigt wurden, denn Ersatzblätter für die Laubsäge oder anderes landwirtschaftliches Zubehör führte nur sie. Die Reaktion des „alten“ Pawelkas hat Bogner nicht vergessen: „Er war nicht sehr freundlich zu mir, weil wir sonst nicht zu ihm einkaufen gingen.“

Doch die dörfliche Einkaufwelt zeigte schon damals ihre Schattenseiten: Eisenbahnerfamilien konnten leicht die Konsumfiliale im Nachbarort erreichen. Grundnahrungsmittel waren dort viel günstiger, der große Monatseinkauf wurde daher im „Supermarkt“ erledigt. Eine Situation, an der sich bis heute nichts geändert hat.

Der Pawelka hatte auch noch ein weiteres Alleinstellungsmerkmal: ein Kino – ein Saal im Hinterhof, sogar richtige Sitzreihen gab es schon und gezeigt wurden Stummfilme, die Szenen von einer Dame am Klavier begleitet. „Wenn ein Film lief, waren alle dort“, zeigt sich bei den Erinnerungen an seine Jugend ein verdächtiges Glitzern in den Augen des Zeitzeugen.