Erstellt am 02. März 2016, 05:04

von Robert Knotz

Kampusch: Wurde Priklopil ermordet?. Der Bruder des Chef-Ermittlers im Entführungsfall erstattete jetzt Anzeige wegen mangelhafter Untersuchungen.

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Karl Kröll, der Bruder des ehemaligen Chefermittlers im Entführungsfall Natascha Kampusch, erstattete im Zusammenhang mit dem Tod des Kidnappers Wolfgang Priklopil Anzeige wegen Mordverdachts. Priklopil sei bereits tot gewesen, als ihn ein Schnellbahnzug überrollte.

Michael Klackl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, bestätigte, dass es eine Anzeige gebe und diese überprüft werde. Vorerst wolle man aber sichergehen, ob diese überhaupt neue Hinweise enthält, die nicht schon Gegenstand der Untersuchungen gewesen sind. Der damals zuständige Chefermittler im Entführungsfall, Franz Kröll, hat nach offiziellen Angaben im Juni 2010 Selbstmord verübt.

Wurde Triebwagen nicht ausreichend untersucht?

Sein Bruder Karl wirft den damaligen Ermittlern vor, die Front des Zuges, der Priklopil überrollte, mangelhaft untersucht zu haben. Es sei der Frage nicht nachgegangen worden, ob die Verletzungen Priklopils überhaupt dadurch entstanden waren. Der Freitod des Entführers wurde öfter angezweifelt. In ihrem Endbericht hielt die Polizei jedoch fest, dass es sich mit Sicherheit um Suizid handelte.

Kampusch war am 2. März 1998 entführt und mehr als acht Jahre im Keller von Priklopils Haus gefangen gehalten worden. Im August 2006 gelang ihr die Flucht. Der Entführer soll sich daraufhin vor eine S-Bahn geworfen haben. Auch Johann Rzeszut, ehemaliger Präsident des Obersten Gerichtshofs in Wien und Mitglied der Evaluierungskommission, die mit der Aufdeckung von Ermittlungspannen im Fall Kampusch beauftragt wurde, unterstützt die Theorie zum angeblichen Mord an Priklopil.

Er will darüber ein Buch veröffentlichen. Sicher kein Schaden für die Verkaufszahlen, wenn dieser Fall wieder Interesse erregt.