Erstellt am 04. November 2015, 04:02

von Thomas Schindler

Plessl tritt als Gemeindechef ab. SPÖ-Nationalrat Rudolf Plessl will sich künftig mehr um den Bezirk Gänserndorf und das Weinviertel kümmern.

Nach zehn Jahren als Bürgermeister von Untersiebenbrunn ist Schluss: Rudolf Plessl (48) will Ende Jänner aus dem Gemeinderat ausscheiden, damit er mehr Zeit für seine Arbeit als Nationalratsabgeordneter hat. Im Parlament sitzt Plessl seit 2008.  |  NOEN, Schindler

Im NÖN-Gespräch ließ Rudolf Plessl die lokalpolitische Bombe platzen: „Ja, es ist geplant, dass ich mit 31. Jänner 2016 mein Amt als Untersiebenbrunner Bürgermeister niederlege und aus dem Gemeinderat ausscheide. Zehn Jahre als Bürgermeister sind genug. Dann habe ich künftig mehr Zeit, um für den Bezirk Gänserndorf und den Regionalwahlkreis Weinviertel zu arbeiten.“

Nachfolge noch nicht fest

Zur Erinnerung: Es war am 10. Jänner 2006, als Plessl nach parteiinternen Querelen Franz Chromecek als SP-Bürgermeister ablöste. Plessl: „Somit ist es ein passender Zeitpunkt, wenn ich im Jänner 2016 in dieser Funktion zurücktrete.“ Wer sein Nachfolger als Ortschef wird, steht noch nicht fest. Plessl schlägt seinen Vize Reinhold Steinmetz vor: „Weil er alle laufenden Projekte bestens kennt. Gewählt wird der neue Bürgermeister aber vom Gemeinderat.“ Dieser besteht aus elf Roten, fünf Schwarzen und drei Blauen.

Plessl zieht zufrieden Bilanz. In den zehn Jahren seiner Ortschef-Zeit habe er viel umsetzen können: „Wir haben an die zehn Millionen Euro in die Infrastruktur investiert.“ Gebaut bzw. saniert wurden Straßen, Kindergarten, Volksschule, Gemeindeamt sowie 140 Wohnungen: „Weiters haben wir ein Betriebsgebiet errichtet und somit etwa 100 Arbeitsplätze in unserer knapp 2.000 Einwohner zählenden Ortschaft abgesichert.“

Trotz der hohen Investitionen konnte Plessl den Schuldenstand seiner Kommune verringern: „Was die Bonität aller österreichischen Gemeinden betrifft, liegt Untersiebenbrunn nun an der 55. Stelle. Das ist ein Top-Wert.“ Im Gegensatz zu früher: „Als ich die Gemeinde übernommen hatte, wusste ich nicht, welche Rechnung ich zuerst und mit welchem Geld ich diese bezahlen sollte.“

70 bis 80 Stunden pro Woche politisch gearbeitet

Zuletzt hatte Plessl eigenen Aussagen nach 70 bis 80 Stunden pro Woche politisch gearbeitet: „Es wurde immer schwieriger, alles unter einen Hut zu bringen. Der Regionalkreis Weinviertel, zu dem Gänserndorf, Mistelbach, Korneuburg und Hollabrunn gehören, ist immerhin der größte in ganz NÖ.“

Das Problem ist auch, dass SP-Nationalrat Hubert Kuzdas aus dem Bezirk Mistelbach kürzlich sein Mandat niederlegte, weil er in die Privatwirtschaft wechselte. Bei diesem Mandat handelt es sich um eines von der NÖ Landesliste, das in der Folge der Schwechater Hannes Fazekas bekam. Plessl: „Somit bin ich jetzt der einzige SP-Nationalratsabgeordnete im ganzen Weinviertel.“


Zur Person Rudolf Plessl

Rudolf Plessl (geboren 12. Jänner 1967) ist verheiratet und Vater einer Tochter. Er besuchte nach der Volks- und Hauptschule ein Jahr lang die Handelsschule und absolvierte zwischen 1982 und 1986 die Polizeischule.

Plessl versah ab 1986 in der Alarmabteilung Wien Dienst und wurde 1992 zur Kriminalbeamten-Ausbildung versetzt. Seit 1993 ist er am Landeskriminalamt Wien beschäftigt und derzeit außer Dienst gestellt.

Zwischen 2000 und 2001 war Plessl Gemeinderat in Untersiebenbrunn und zwischen 2001 und 2005 geschäftsführender Gemeinderat für Soziales, Kultur und Vereine. 2005 wurde er zum Vizebürgermeister gewählt, 2006 übernahm er das Amt des Bürgermeisters.

Bei der Nationalratswahl 2008 kandidierte Plessl auf Platz 1 der SPÖ-Liste für den Regionalwahlkreis Weinviertel und auf Platz 6 der SPÖ-Landesliste Niederösterreich. Er konnte ein Direktmandat in seinem Regionalwahlkreis erzielen und wurde am 28. Oktober 2008 als Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat angelobt.