Erstellt am 15. September 2015, 08:27

von Thomas Schindler

Kommt Gerasdorf Kommt Gerasdorf. Wird die Stadt eingegliedert, ist Gänserndorf dann mit 45 Gemeinden der größte Bezirk in ganz NÖ.

 |  NOEN, zvg

Für die Region interessant: Die knapp 10.600 Einwohner zählende Stadtgemeinde Gerasdorf – zu ihr gehören auch die Orte Seyring, Kapellerfeld, Föhrenhain und Oberlisse – soll zum Bezirk Gänserndorf kommen.

Was ist eigentlich der Grund für die Auflösung des Bezirks Wien-Umgebung? Laut Pröll sei dieser im Blick auf seine geografische Lage zerstreut, was für die Bürger weite Strecken und großen Zeitaufwand bedeute. Man setze daher eine Strukturmaßnahme, um das Bürgerservice für die Menschen „optimaler und bürgernäher zu gestalten“.

Die erwarteten Einsparungen durch diesen Schritt in der Verwaltungsreform beziffert Pröll mit zwei Millionen Euro im Jahr. Bei der Landtagssitzung am 24. September sollen die Auflösung von Wien-Umgebung – ab dann würde es nur noch 20 statt 21 Bezirke in NÖ geben – und die Aufteilung der betroffenen Gemeinden auf die angrenzenden Bezirke beschlossen werden.

Gerasdorfer wollen lieber zu Mistelbach

Wird Gerasdorf dem Bezirk Gänserndorf zugeordnet, ist dieser dann mit 45 Gemeinden der größte in ganz Niederösterreich. Derzeit teilen sich die Bezirke Gänserndorf und Neunkirchen mit jeweils 44 Gemeinden den ersten Platz. Gerasdorfs SP-Bürgermeister Alexander Vojta hält von den Zukunftsplänen wenig.

Er will eine Volksbefragung, weil die Gerasdorfer seinen Aussagen nach mehr Bezug zu Mistelbach und Korneuburg als zu Gänserndorf haben. So gebe es zum Beispiel bestehende Kooperationen im Musikschulbereich mit Hagenbrunn (Bezirk Korneuburg) und die schnelle Erreichbarkeit Korneuburgs. Die Blaulichtorganisationen wiederum seien mit dem Bezirk Mistelbach vernetzt.

Der Landeshauptmann hingegen liefert andere Argumente. Eine durchgeführte Erreichbarkeitsstudie und diverse Umfragen würden für eine Zuteilung Gerasdorfs zu Gänserndorf sprechen. Was sagen eigentlich die hochrangigen Politiker aus dem Bezirk Gänserndorf zur bevorstehenden Eingliederung von Gerasdorf? VP-Landtagsabgeordneter René Lobner: „Dass der zerpflückte Bezirk Wien-Umgebung aufgelöst wird, ist gut und richtig. Dass aber Gerasdorf zu uns kommen soll, ist nicht ganz logisch. Wir haben jetzt schon 44 Gemeinden, der Bezirk Mistelbach nur 36.“

Mistelbach werde von den Gerasdorfern über die A 5 viel einfacher erreicht als Gänserndorf über die B 8: „Ich glaube auch nicht, dass sich die Gerasdorfer bei uns wohlfühlen, weil sie immer in Richtung Mistelbach orientiert waren.“

Anders argumentiert SPÖ-Landesvize Karin Renner: „Es war die richtige Entscheidung, den zersplitterten Bezirk Wien-Umgebung aufzulösen. Ich freue mich, dass die Stadt Gerasdorf und ihr Bürgermeister Alexander Vojta zu uns kommen.“ Gerasdorf passe sehr gut in das Marchfeld. Renner weiter: „Jetzt noch Volksbefragungen durchzuführen, macht keinen Sinn, die Entscheidung ist gefallen.“

„Wir heißen Gerasdorfer herzlich willkommen“

Scharfe Kritik an Prölls Vorstoß kommt von Grünen-Landtagsabgeordneter Amrita Enzinger: „Der Landeshauptmann agiert weder staatsmännisch noch bürgerfreundlich. Verwaltungsreform ja, aber bitte nicht so – als Hüftschuss von oben herab und über die Köpfe der Bürger hinweg.“ So ein Vorgehen sei nicht mehr zeitgemäß: „Trotz allem ist unser Bezirk Gänserndorf gut aufgestellt und wir heißen die Gerasdorfer herzlich willkommen.“

Auch Gänserndorfs FPÖ-Bezirksparteichef Herbert Steindl hätte kein Problem damit, sollte Gerasdorf zum Bezirk Gänserndorf kommen: „Wir nehmen alle mit offenen Armen auf. Womit wir aber ein Problem haben, ist der Umstand, dass wieder einmal still und heimlich hinter dem Rücken der Bürger Entscheidungen getroffen wurden. Nur damit diese ja keine Möglichkeit haben, sich aufzuregen.“ Bei solchen wesentlichen Themen müssen die Bürger vorher befragt werden, so Steindl.