Erstellt am 13. Januar 2016, 05:03

von Thomas Schindler und Nina Wieneritsch

Kommt jetzt der Unimarkt?. Über die Lokale in Gänserndorf, Hohenau und Obersiebenbrunn wird derzeit mit Interessenten verhandelt.

Vor verschlossenen Zielpunkt-Türen in Deutsch-Wagram: Wie viele andere führerscheinlose Anrainer auch muss Bärbel Langmann für ihre Einkäufe nun einen weiteren Fußmarsch auf sich nehmen  |  NOEN, Wieneritsch

 Insgesamt acht Zielpunkt-Filialen gab es vor der Firmen-Pleite im Bezirk. Fünf von ihnen (die Märkte in Deutsch-Wagram, Groß-Enzersdorf, Orth und zwei in Strasshof) sind bereits seit 2.Jänner geschlossen – für sie hatten sich keine Nachfolge-Betriebe gefunden.

Interessant ist nun, was mit den Zweigstellen in Gänserndorf, Obersiebenbrunn und Hohenau passiert. Diese sind vorläufig noch bis Ende Jänner geöffnet. Wer sie übernimmt, entscheidet der Masseverwalter nach Sichtung der Angebote, wie es seitens der Pfeiffer-Handelsgruppe (Zielpunkt) heißt. Außerdem muss noch die Kartellbehörde zustimmen.

Was das Lokal in der Bezirkshauptstadt betrifft, wäre logisch, wenn es vom Spar-Konzern übernommen werden würde. Billa-Märkte gibt es nämlich schon zwei sowie einen Penny (gehören beide zum Rewe-Konzern) auf der Bahnstraße unweit der jetzigen Zielpunkt-Filiale. Auch die Diskonter Hofer und Lidl sind sicherlich nicht interessiert – sie bevorzugen Standorte in Gewerbeparks, wo sie schon jetzt angesiedelt sind.

In Obersiebenbrunn wiederum hält sich das hartnäckige Gerücht, dass die Zielpunkt-Filiale von Penny übernommen wird. Angeblich haben Rewe-Mitarbeiter das Areal kürzlich genauer unter die Lupe genommen. Manche wiederum vermuten, dass die Zweigstelle von Unimarkt (Pfeiffer-Gruppe) übernommen wird. In Hohenau könnte Spar zuschlagen, er soll schon länger interessiert sein. Ebenso gibt es aber auch hier Gerüchte über Unimarkt.

Ortschef: „Wichtig, dass Arbeitsplätze bleiben“

Hohenaus SP-Bürgermeister Robert Freitag: „Für uns ist wichtig, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben und dass sich an diesem Standort wieder ein Supermarkt ansiedelt.“ Welche Firmen sich für das Geschäftslokal interessieren, weiß aber auch der Ortschef noch nicht.

Verärgert sind die ehemaligen Kunden der mittlerweile geschlossenen Zielpunkt-Filialen, wie zum Beispiel Bärbel Langmann aus Deutsch-Wagram. Bis dato konnte sie, genau so wie viele andere Zentrumsbewohner, zu Fuß ihre Einkäufe erledigen, die Waren – weil der Weg zum Markt so kurz war – bequem mit dem Einkaufswagen nach Hause bringen und diesen dann wieder zurückbringen.

„Das ist jetzt nicht mehr möglich, vor allem für ältere Leute ist das ein Problem“, so Langmann. Der Weg zum Merkur-Markt bei der Ortseinfahrt sei zu weit, um schwere Flaschen nach Hause zu tragen. Zwar gibt es auch Billa-Zweigstellen, die vom Stadtbus angefahren werden, allerdings muss man dafür Vereinsmitglied sein.

Wie die Anrainerin künftig ohne Führerschein ihre Einkäufe erledigen wird? „Zu Fuß“, und einmal in der Woche helfe, für größere Einkäufe, der Sohn aus. 


Zielpunkt-Pleite

Kurz vor Weihnachten musste die Zielpunkt GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Pfeiffer Handelsgruppe, Insolvenz anmelden. Die Trauner Handelsgruppe hatte in den letzten Jahren über 50 Millionen Euro zur Rettung in die stark angeschlagene Supermarkt-Kette investiert. Pfeiffer hatte sich 2012 mit 24,9 Prozent beteiligt und im Jahr 2014 Zielpunkt zur Gänze übernommen.

Nach drei Jahren intensivster Sanierungsbemühungen und Investitionen waren dramatische Verschlechterungen der äußeren Rahmenbedingungen für Zielpunkt eingetreten. Aufgrund des allgemein schwächelnden Lebensmittel-Einzelhandels und der starken Konkurrenz kam es zu entscheidenden Umsatzrückgängen. Zielpunkt betrieb 229 Filialen – mehr als die Hälfte davon in Wien – mit 2.500 Mitarbeitern.