Erstellt am 07. April 2016, 05:04

von Nina Wieneritsch

Kredit-Krimi: Bank klagte Hausbewohner. Raiffeisenkasse verlieh Geld an Hausverwalter, der dieses angeblich veruntreute. Geldinstitut klagte Summe von Bewohnern ein, ein Begehren wurde abgewiesen: Berufung.

Die Raiffeisenkasse Zistersdorf-Dürnkrut (im Bild die Zentrale in Zistersdorf) steht in der Kritik der betroffenen Wiener Hausgemeinschaften.  |  NOEN, Gemeinde

2012 berichtete der „Bürgeranwalt“ des ORF das erste Mal über einen Wiener Hausverwalter, der im Namen von Eigentümergemeinschaften Kredite aufgenommen haben soll – angeblich ohne deren Einverständnis. Das Geld sei nicht in die Wohnhäuser geflossen, sondern vom Verwalter veruntreut worden.

In der Kritik der Hausgemeinschaften steht seit damals auch die Raiffeisenkasse Zistersdorf-Dürnkrut, die dem Verwalter Kredite gewährt hatte. „Ist es wirklich in Ordnung, dass jemand hingeht und sagt, ,Ich bin der Verwalter, ich hätte gerne 120.000 Euro‘ und eine Bank zahlt innerhalb kürzester Zeit diesen Betrag aus? Das wird sicher auch noch zu überprüfen sein“, so Anwalt Michael Grüner, der eine der betroffenen Hausgemeinschaften vertritt, beim „Bürgeranwalt“.

In zwei anderen Fällen waren laut ORF 300.000 Euro bzw. 250.000 Euro ausbezahlt worden, die ebenfalls nicht zurückgezahlt wurden.

Bank legte gegen Urteil Berufung ein

Im Jahr 2014 gab es diesbezüglich bereits Gerichtsurteile: In zwei Fällen bekam die Bank Recht, die Bewohner mussten die Kredite zurückzahlen.

In einem dritten Fall wurde das Klagebegehren der Raiffeisenkasse abgewiesen: Die Bewohner müssen die Summe in der Höhe von 250.000 Euro, die der Verwalter aufgenommen hatte, nicht zurückzahlen. Begründung: Es seien bereits „Frühwarnsignale“ gegen den Verwalter vorgelegen, die Bank hätte hier besonders sorgfältig prüfen müssen. Die Kreditvergabe sei sittenwidrig zustande gekommen. Die Raiffeisenkasse Zistersdorf-Dürnkrut legte gegen dieses Urteil Berufung ein.

Ob diese noch mehr Kredite an den Verwalter vergeben hat, ist nicht bekannt. Geschäftsleiter Franz Schwarzmann verweist, danach gefragt, auf das Bankgeheimnis: „Die Bank darf dazu überhaupt nichts sagen.“ Das Verfahren betreffend gebe es jedenfalls keine Neuigkeiten.