Erstellt am 07. Oktober 2015, 06:02

von Markus Szelnekovics

Aufregung um Posting. Eine „Entgleisung und massive Beschimpfung“ leistete sich der SJ- und SPÖ-Funktionär Andreas Turecek gegenüber der FPÖ auf Facebook.

Dieses Posting von Andreas Turecek sorgt für Aufregung bei der FPÖ.  |  NOEN, Screenshot/ Facebook

Nach der Oberösterreich-Wahl ist der Frust bei den Sozialdemokraten merklich zu spüren. Auch im sozialen Netzwerk Facebook lassen die Roten ihrem Ärger freien Lauf. Als „Abführmittel“ und „braune Scheiße auf dem Vormarsch“ bezeichnete Andreas Turecek, seines Zeichens Bezirksvorstandsmitglied der Sozialistischen Jugend (SJ) Gänserndorf und SP-Gemeinderat in Leopolsdorf, den jüngsten Wahlerfolg der Freiheitlichen.

Als „völlig inakzeptabel“ bezeichnet David Leitner, RFJ-Obmann aus Leopoldsdorf und FP-Gemeinderat, das Vorgehen des SJ-Bezirksfunktionärs: „Solche Kommentare kommen von einer Person, die die SPÖ im Gemeinderat vertritt und auch im SJ-Bezirksvorstand agiert. Eine Frechheit und beschämend.“
 

x  |  NOEN, Screenshot/ Facebook
In dieselbe Kerbe schlägt Markus Ripfl, RFJ-Bezirksobmann und -Landesgeschäftsführer: „Eine demokratische Partei, die bei einer Wahl massiv dazugewonnen hat und damit von den Wählern legitimiert ist, als ,braune Scheiße‘ zu bezeichnen, ist einfach nur unterstes Niveau und zeugt von Ahnungslosigkeit.“

 

„Wenn die Sozialistische Jugend nicht gerade am Demonstrieren ist, dann könnte sie ihre Mitglieder eventuell darüber aufklären, was Demokratie bedeutet. Eine sofortige Entschuldigung ist fällig und weitere interne Schritte sollten angedacht werden. Vermutlich bekommt er innerhalb der Partei aber auch noch Lobeshymnen. Die Sozialdemokraten sollten sich lieber selbst an der Nase packen und sich Gedanken machen, wieso sie als Partei zu einer aussterbenden Art gehören“, empfiehlt Ripfl der SPÖ und SJ abschließend.

Andreas Turecek mit den Vorwürfen konfrontiert: „Zeit meines Lebens befindet sich die SP auf einem historischen Tiefflug, während die FPÖ mit reißerischen Ausländerwahlkämpfen und mittlerweile auch schon durch goldenes Schweigen im Wahlkampf eine Wahl nach der anderen gewinnt, wobei das oberösterreichische Wahlergebnis nicht einmal die Spitze des Eisbergs darstellen wird.“

Schuld daran hätten weder eine taktisch klug agierende FPÖ, „die fleißig Proteststimme um Proteststimme sammelt“, noch die „besorgten und frustrierten Bürger, die der Bundesregierung teilweise zu Recht Handlungsunfähigkeit attestieren“.

Turecek: „Schuld hat SPÖ in Schockstarre“

Turecek: „Schuld hat eine in Schockstarre verfallene SPÖ, die an Profil und Werten verloren zu haben scheint und sich bei Koalitionsverhandlungen regelmäßig von der ÖVP wie ein Stier am Nasenring vorführen lässt. Dazu ist man sich nicht zu bieder, die Forderungen der FPÖ bezüglich der Flüchtlingsfrage erst zu verteufeln, um 14 Tage später mit der Errichtung und Unterstützung von Erstaufnahme- und Registrierungszentren an den EU-Außengrenzen dasselbe zu fordern und dadurch an Glaubwürdigkeit einzubüßen.“

Anstatt jedoch diese historisch schlechte Wahlniederlage in Oberösterreich kritisch zu reflektieren, Kandidaten und den konturlosen Wahlkampf zu hinterfragen, um aus den Ergebnissen Reformschritte zu setzen, würde die Bundespartei mit dem Argument beschwichtigen, dass es sich um keine parteipolitische Wahl, sondern um eine Wahl über das Flüchtlingsthema handelte.

„Aus der Emotion nach diesem Wahldebakel heraus entstand besagtes Posting, mit dem ich weder die FPÖ direkt, noch freiheitliche Mandatare und schon gar nicht deren Wähler vor den Kopf stoßen wollte. Als Sozialdemokrat bin ich vor allem Demokrat und respektiere den Wählerwillen. Ich nehme mir aber heraus, die Beweggründe für die Wahl einer FP kritisch und überspitzt zu hinterfragen, wiewohl meine Wortwahl retrospektiv betrachtet dem Ernst der Lage nicht Rechnung tragen konnte und zu bedauern ist“, rechtfertigt sich Turecek.