Leopoldsdorf

Erstellt am 08. Juli 2016, 04:30

von Erwin Nußbaum

Bürger versucht öffentliche Wasserleitung zu verhindern. Herbert Murlasits aus Leopoldsdorf macht sich stark, um die öffentliche Wasserleitung in seiner Heimatgemeinde zu verhindern: „Leute können es sich nicht leisten.“

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Herbert Murlasits sieht sich selbst als unabhängige Stimme im Streit um die geplante Ortswasserleitung, der seit einiger Zeit die Marchfeldgemeinde beschäftigt (die NÖN berichtete). Bereits zuvor waren SPÖ und FPÖ über die Frage der Notwendigkeit einer solchen Einrichtung aneinandergeraten.

Der Leopoldsdorfer ist nicht überzeugt von der Sinnhaftigkeit einer zentralen Wasserversorgung für die Großgemeinde und rechnet vor: „Ein Großteil der Bevölkerung kann sich die Belastung durch die Ortswasserleitung nicht leisten. Ich habe einen Voranschlag erstellen lassen und demzufolge würde mich die Einleitung des öffentlichen Wassers auf mein Grundstück rund 8.000 Euro kosten.“

Auch das Argument, dass die Nitratbelastung im Grundwasser eine Ortswasserleitung notwendig machen würde, sei vollkommen aus der Luft gegriffen: „Man muss bedenken, dass unsere geliebte Kartoffel ca. 1.500 mg/kg enthält.“ Dies bedeute, dass bei 250 g Verzehr ca. 320 mg Nitrat anfallen. Man müsse bei einem durchschnittlichen Nitratwert von 70 mg aus dem Hausbrunnen rund fünf Liter trinken, um auf die selbe Nitratbelastung wie beim Kartoffelessen zu kommen.

„Keine Schädigung über drei Lebensmonaten“

Außerdem meint Murlasits: „Es wird versucht, dieses Projekt durchzuziehen, obwohl es keine einzige Studie gibt, dass nitratbelastetes Wasser für Personen, die älter als drei Monate sind, gesundheitsschädlich ist.“ Man könne annehmen, dass Neugeborene eher Muttermilch oder Ersatzstoffe bekommen als Wasser aus dem Hausbrunnen.

Doch der Leopoldsdorfer meint einen Ausweg aus der vermeintlich vertrackten Situation zu kennen: „Es wäre doch wesentlich sinnvoller, Trinkwasser nur dort, wo es konsumiert wird, zu reinigen. Dann bräuchte man keine teuere Ortswasserleitung, sondern nimmt nur das Wasser für die Toilette oder die Dusche direkt ungefiltert aus dem Hausbrunnen.“

Eine entsprechende Filteranlage würde nach eigener Angabe „nur“ rund 2.000 Euro kosten. Murlasits hat aufgrund der ganzen Wasser-Problematik bereits eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen: „Ich will damit lediglich aufzeigen, dass die Mehrheit der Leopoldsdorfer gegen eine Ortswasserleitung ist und dass man auch nach Alternativen suchen sollte.“

Wie SP-Bürgermeister Thomas Nentwich aber bereits in einem früheren NÖN-Gespräch betonte, sei der Druck vonseiten des Landes NÖ groß: „Fakt ist, dass jeder Hausbrunnen auf Trinkwasserqualität getestet wird. Ist diese nicht gegeben, liegt der Nitratwert also bei über 50 Milligramm pro Liter, dann muss der Haushalt an die Leitung angeschlossen werden – so ist die Gesetzgebung.“