Erstellt am 09. März 2016, 05:04

von Erwin Nußbaum

Lieber Fähre als Brücke?. Über 120 Personen diskutierten beim Bürgerforum in Marchegg über das ProjektRadfahr-Brücke: Ablehnung im Saal war groß, konstruktive Vorschläge blieben die Ausnahme.

Fähre statt Brücke? Ein Szenario nimmt Gestalt an.  |  NOEN, privat

Das Bürgerforum zur Radfahr-Querung in die Slowakei ist Geschichte – und es scheint nicht im Sinne der Storchenstädter zu sein, den „Burggraben“ in den Osten dauerhaft zu überbrücken: Über 120 Interessierte nahmen am Dienstag vergangener Woche die Chance, ihre Meinung in die Diskussion einzubringen, wahr. Sie entfachten zum Teil hitzige Debatten über den vermeintlichen Sinn und Unsinn der Radfahr-Querung und hielten auch mit Sicherheitsbedenken nicht hinterm Berg. Die von VP-Bürgermeister Gernot Haupt am Beginn geäußerte Bitte, die Diskussion möglichst emotionslos zu halten, war auf jeden Fall rasch vergessen.

Aber alles der Reihe nach: Nachdem die Stadtoberen in der vergangenen Gemeinderatssitzung beschlossen hatten, eine Volksbefragung zum Radfahr-Brückenbau vorerst zu verschieben, wurde für den 1. März ein Bürgerforum als Informations- und Diskussionsplattform angesetzt.

Der Stadtchef eröffnete den Info-Abend gegen 19 Uhr mit der Schilderung, wie es überhaupt dazu kam, dass Marchegg als Standort einer Radfahr-Brücke ausgewählt wurde.

Darauf folgte eine nüchterne Darstellung der sich langsam entwickelnden Tourismus-Zahlen in Marchegg: Die Hoffnung des Bürgermeisters scheint zu sein, dass eine March-Querung für Radfahrer mehr Rad-Touristen nach Marchegg bringt und damit die Wirtschaft in der 3.500-Einwohner-Gemeinde ankurbelt.

Haupt: „Wollen wir den Eisernen Vorhang?“

Haupt schloss seine Ausführungen mit den Worten: „Mir ist klar, dass viele besorgt sind und dass die Grenzöffnung uns mehr Kriminalität gebracht hat, aber wollen wir wirklich deswegen den Eisernen Vorhang wieder hochziehen und vielleicht noch ein paar Meter höher bauen?“

Die Reaktionen der Bürger ließen nicht lange auf sich warten: Es wurden nicht nur lautstark Ängste zum Ausdruck gebracht, dass grenznahe Roma-Siedlungen die Sicherheit gefährden. Auch die Kaufkraft – und damit die Wille in Marchegg gewinnbringend zu konsumieren – wurde slowakischen Rad-Ausflüglern in Abrede gestellt.

Mit folgendem Statement zur Sinnhaftigkeit des Projekts erntete eine Stadt-Politikerin Applaus: „Wir brauchen keine Brücke über die March, sondern eine qualitative Verbesserung und Sanierung der bereits vorhandenen Radwege.“

Mehrmals wurde von den Bürgern auch generell das Tourismus-Potenzial der Gemeinde angezweifelt: Man merke einfach nichts davon, dass mehr Touristen kommen. Generell sehe man auch keine Möglichkeit, wie aus der Brücke Gewinn geschlagen werden könnte.

Bürgermeister setzt auf Eigenverantwortung

Dagegen konterte der Stadtchef mit einem Appell an die wirtschaftliche Eigenverantwortung der Marchegger: „Hier ist eben Unternehmersinn gefragt, um das Potenzial auszunutzen.“

Gerade als die Diskussion Gefahr lief, umzuschlagen und wegen emotionalen Tauziehens im Sand zu verlaufen, ließ folgender Vorschlag eines Bürgers den Saal aufhorchen: Man solle mit dem Geld einfach keine Brücke bauen, denn diese verschandle die Landschaft und könne nur schlecht kontrolliert werden. Viel besser sei es, mit dem Geld eine Fähre wie in Angern zu installieren.

Zufällig hatte ein weiterer Anwesender Bilder einer Schwebefähre, die in Deutschland bereits erfolgreich eingesetzt wird (großes Bild), bei sich. Die Zweifel des Bürgermeisters, ob eine solche Fähre kostendeckend betrieben werden kann und wer sie denn bewirtschaften soll, taten der Begeisterung für den Vorschlag keinen Abbruch.

VP-Stadtchef Haupt abschließend zum Schwebefähre-Thema: „Mit dieser Brücke bekommen wir ein Geschenk, das wir annehmen können oder nicht. Es nachträglich umzutauschen wird schwierig.“ Dass dies nicht das letzte Bürgerforum zum Thema Radfahr-Brücke war, ist wahrscheinlich, ob das Projekt tatsächlich in Richtung Fähre abgeändert werden kann, bleibt vorerst fraglich.