Erstellt am 27. März 2016, 05:04

von Stefan Havranek

„Medienkaiser“ auf Jagd. Das wieder eröffnete Schloss Niederweiden steht anlässlich des 100. Todestages von Franz Joseph im Zeichen des wohl berühmtesten österreichischen Monarchen.

NÖN-Leser waren die Ersten, die sich in Schloss Niederweiden ein Bild vom Privatleben Kaiser Franz Josephs machen konnten. Über ein kaiserliches Frühstück freuten sich die glücklichen NÖN-Leser Eva Koscholitz, Antonia Kaltenbrunner, Renate und Robert Cvrkal, Helga Havelka, Maria Lehnert sowie seitens Schloss Niederweiden Birgit Lindner (l.) und Kathrin Körber (r.).  |  NOEN, NÖN

 "Geschlossene Schlösser sind genauso teuer wie geöffnete" – mit dieser Erkenntnis begann Geschäftsführer Franz Sattlecker seine Ansprache bei der Eröffnung der Sonderausstellung anlässlich des 100. Todestages von Kaiser Franz Joseph im Schloss Niederweiden.

Lange Zeit hatte Schloss Niederweiden ein „stiefkindliches“ Dasein neben dem prunkvollen Schloss Hof geführt, jahrelang wurde sogar versucht, das Schloss zu verkaufen. Nach einer probeweisen Öffnung im Vorjahr mit einigen Sonderführungen, wird heuer das nächste Marchfeld-Schloss wiederbelebt: Die Ausstellung zur Jagd, der liebsten Freizeitbeschäftigung des „guten alten Kaisers“, der 68 Jahre die Geschicke der Monarchie leitete, könnte nirgendwo passender inszeniert werden. „Es freut mich, dass bereits heute mehr Gäste da sind als im gesamten letzten Jahr“, bemerkte Sattlecker anschließend mit einem Schmunzeln.

VP-Lantagsabgeordneter René Lobner übernahm diese verbale Steilvorlage direkt: „Das mit den Besucherzahlen werden wir gemeinsam ändern.“ Vor allem in Hinblick auf die Bewerbung zur Landesausstellung 2021 gelte es nun, die verborgenen kulturellen und kulinarischen Schätze des Marchfelds, wie Niederweiden einer war, zu heben und auch einen zweiten Blick unter die Oberfläche der Region zu wagen, die noch mehr als „Kornkammer“ und „Schlösserreich“ zu bieten habe.

Die Jagd erfüllte auch eine politische Funktion

Zurück zur Ausstellung: Kurator Karl Vocelka und Assistent Martin Mutschlechner wollten mit der Schau einen tiefen Blick in das Freizeitleben des ersten „Medienkaisers“ geben: „Und am liebsten verbrachte Franz Joseph seine Freizeit bei der Jagd – die aber auch eine politische Funktion erfüllte.“

Franz Joseph, der mit 18 Jahren den Thron bestieg, war ein leidenschaftlicher und ausgezeichneter Reiter, Jäger und Schütze, was nicht verwunderlich scheint, wenn man weiß, dass er sein erstes Gewehr bereits mit 4 Jahren bekam. Bis ins hohe Alter von über 80 Jahren frönte er seiner Passion und so kam er auf beeindruckende Abschusszahlen: Insgesamt soll er über 50.000 Stück Wild erlegt haben, darunter über 2.000 Gemsen (die neben Auerhähnen sein liebstes Ziel waren), zwei Wölfe und sogar ein Bär.

Eine Anekdote lautet, dass er im hohen Alter einmal ein Tier mit einem Schuss nur streifte und nicht sofort tötete und seine Jagd-Karriere an den Nagel hängte. Die Ausstellung ist bis 27. November täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.