Gänserndorf

Erstellt am 02. Februar 2018, 17:32

von Thomas Schindler

Haft: Marchfelder als Stadtrat abberufen. Marchfelder wurde nicht nur aus Partei geworfen, sondern auch aus Stadtregierung. Staatsanwaltschaft ermittelt. Für den Mann gilt die Unschuldsvermutung.

Symbolbild  |  Shutterstock, Monika Gruszewicz

Die Nachricht schlug wie eine Bombe ein: Ein VP-Stadtrat aus dem Marchfeld wurde wegen des Verdachts, einen minderjährigen Burschen missbraucht zu haben, am Donnerstagmorgen festgenommen. Seither sitzt er in der Justizanstalt Korneuburg ( wir hatten berichtet, siehe hier und ganz unten).

Die VP-Landespartei reagierte sofort und schloss den Marchfelder aus der ÖVP aus. Am Freitag wurde der Beschuldigte von seiner Ortspartei auch als Stadtrat abberufen. Für den Mann gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung.

Der Beschuldigte schweigt zu den Vorwürfen

„Es besteht der Verdacht, dass der Beschuldigte einen damals 13-jährigen Unmündigen sexuell schwer missbraucht hat“, teilte die zuständige Staatsanwaltschaft Korneuburg mit. Am Freitag wurde über den Verdächtigen wegen Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr die U-Haft verhängt. Die erste Haftfrist beträgt 14 Tage. Der Beschuldigte schweigt bis dato zu den Vorwürfen.

Es bestehe auch der Verdacht, dass es noch weitere Opfer gibt, heißt es vonseiten der Staatsanwaltschaft. Die Rede ist von bis zu 13 anderen Jugendlichen. Das gelte es nun zu klären. Derzeit werden auch sichergestellte Datenträger ausgewertet. Das Strafmaß beträgt bis zu zehn Jahre Haft.

Wie kam es zur Festnahme des Politikers? Ein mittlerweile 14-Jähriger hatte belastende Angaben gemacht und sich seinen Eltern anvertraut. Die wiederum alarmierten die Polizei. In der Wohnung des Verdächtigen sollen sich immer wieder Jugendliche aufgehalten haben. Nachbarn hatten sich bereits vor Jahren über Lärm und alkoholisierte Teenager beschwert (die NÖN berichtete damals exklusiv darüber).

Mit Computerspielen und Süßem in Wohnung gelockt?

Der Beschuldigte soll die Minderjährigen mit Computerspielen und Naschereien in seine Wohnung gelockt haben, wo die Jugendlichen auch übernachteten. Der Politiker argumentierte immer damit, dass er sich ehrenamtlich um Kids, die aus schwierigen häuslichen Verhältnissen stammen, kümmere.

Schockiert über die Verhaftung des Mannes zeigt sich der Bürgermeister der Stadt: „Das war nicht abzusehen. Bei den damaligen Vorwürfen ging es immer nur um Lärmbelästigung.“ Und weiter: „Jetzt bleibt uns nichts anderes übrig, als das Ermittlungsverfahren abzuwarten.“ Das Gemeinderatsmandat bleibt dem Verdächtigen vorerst, dies könne man ihm derzeit nicht wegnehmen.

Auch VP-Bezirksparteichef Landtagsabgeordneter René Lobner ist erschüttert: „Wenn die Anschuldigungen stimmen, ist das schockierend. Ich hoffe natürlich, dass an den Vorwürfen nichts dran ist. Bis zur Klärung können wir nur abwarten.“