Sulz im Weinviertel

Erstellt am 24. März 2018, 04:52

von Edith Mauritsch

Urzeitliche Ablagerungen: Muscheln und Meer. Urzeitliche Ablagerungen von Meerestieren wurden wissenschaftlich erforscht. Experten präsentieren die Ergebnisse.

Grubenbesitzer Alexander Mück, Geologen-Urgestein Godfrid Wessely, VP-Ortschefin Angela Baumgartner mit Fundstücken, Universitätsprofessorin Doris Nagel und Dozent Mathias Harzhauser bei der Vorstellung der wissenschaftlichen Auswertung der „Muschelgrube Nexing“.  |  Mauritsch

Was für den Laien ein mehrere Meter hoher, eher unscheinbarer Erdwall ist, bedeutet für die Wissenschaftler ein Fenster in die Vergangenheit. Auf rund 12,7 Millionen Jahre zurück datieren die Experten den Beginn der Entstehungsgeschichte der „Nexinger Muschelgrube“. Als eines der bedeutendsten Geotope Österreichs wurden nun Teile des Areals unter Schutz gestellt.

Mathias Harzhauser, Leiter der geologisch-paläontologischen Abteilung am Naturhistorischen Museum Wien, zieht Vergleiche: „Damals hat es hier wahrscheinlich ähnlich ausgesehen wie heute auf den Bahamas. Ein riesiges Meer mit subtropischen Bedingungen erstreckte sich bis zum Kaukasus.“

Nexing lag in einer Art flachen Lagune

Irgendwann lag Nexing in einer Art flachen Lagune, die Gezeitenströme spülten Muscheln und Schnecken in großer Zahl an. Robben und Delfine tummelten sich in diesem „Parathetys“ genannten Meer, aber keine Haie. An Land fanden urtümliche Elefanten und Nashörner ihren Lebensraum. Deren Reste werden heute noch gefunden, wie ein riesiger Unterkiefer aus dem Raum Kettlasbrunn/Gaiselberg zeigt.

„Diese steil abfallenden Strukturen sind heute noch deutlich in der freiliegenden Wand zu sehen. Erst in der obersten Zone wird es flacher. Zunehmende Verlandung und damit ruhiger werdendes Gebiet begünstigten die Ablagerung dieser Sedimente“, erklärt Universitätsprofessorin Doris Nagel beim Vor-Ort-Termin.

Eine Grube im Sinne von Bergbau ist es tatsächlich. Seit langer Zeit wird Material abgebaut, um dieses unter anderem als Kalziumquelle für Vögel zu nutzen – bis heute. Der derzeitige Besitzer Alexander Mück erklärte sich bereit, einen Teil für wissenschaftliche Arbeiten zur Verfügung zu stellen. Das Gelände ist eingezäunt und aus Haftungsgründen nur mehr nach Rücksprache mit dem Eigentümer zu betreten. Dann können auch die drei dort befindlichen Infotafeln in Augenschein genommen werden.