Erstellt am 25. März 2016, 05:04

von Ulla Kremsmayer

NÖN-Reportage: Abduls Mutter in Gefahr?. Vater Abdulhamid ist nervös, seine Frau flüchtete nach Albanien. Ulla Kremsmayer erlebt die Ängste der Asylwerber, denen sie Unterkunft gewährt, hautnah mit.

Der Horrorzirkus verursachte bei Aladin und Abdul Rahman nur wohligen Grusel.  |  NOEN, Kremsmayer

Die jungen Syrer Aladin und Abdul Rahman wollten unbedingt hin zum Horrorzirkus. Also gut, Horrorpreis bezahlt, Horrorpassage im Dunkeln mit Geisterbahnschockern überstanden. Jetzt nur noch Höllenlärm und der Gruselclown, der sich von hinten an die Kinder anschleicht und sie erschreckt. Es kracht und böllert, es kreischt und wummert, dass mir Angst und Bang um die ohnehin schon geschundenen Kinderseelen wird, doch für die beiden Burschen ist es wohliger Grusel.

Der Schock vom vergangenen Montag war da tiefer: Abdul stürmt in unser Schlafzimmer. „Mama ist im Boot!“, schreit er aufgeregt. Der Rest der Familie war vor kurzem auch aus den rauchenden Trümmern Aleppos geflüchtet und hat Abduls Mutter und die Kinder, die in der Türkei auf die legale Familienzusammenführung warteten, mitgenommen. Die Syrer bestiegen dann ein teures Schlauchboot und setzen damit nun nach Europa über.

Wenig später erreicht uns die erlösende Nachricht: Sie sind in Chios gelandet, zumindest die Überfahrt ist gutgegangen. Doch wie geht’s weiter? „Die Grenze nach Mazedonien ist doch zu, habt ihr nicht die Bilder aus Idomeni gesehen?“, frage ich. Die Flüchtlinge werden in ein Haus an der albanischen Grenze gebracht. Wieder fasst mich blankes Entsetzen. Die Route der Schlepper führt über die Adria nach Italien, danach kommt die Brennergrenze, die ist geschlossen ... wir sind ratlos.

Papa Abdulhamid ist zwar noch entsetzt über den Alleingang seiner Frau, doch schließlich beruhigt er sich. Sie haben wenigstens ein Dach über dem Kopf und sie bekommen etwas zu essen. Kleines Glück im Horrorzirkus.