Erstellt am 28. Februar 2016, 05:04

von Ulla Kremsmayer

NÖN-Reportage: Gute und schlechte News. Die vier Syrer, denen Ulla Kremsmayer Unterkunft gewährt, dürfen in Österreich bleiben und ihre Familien nachholen. Jetzt wartet allerdings viel Arbeit.

Abdul, ein syrischer Freund der Töchter, hilft, die komplizierten Formulare zum Familiennachzug zu übersetzen.  |  NOEN, privat

Die gute Nachricht ist natürlich allen einen Extrajubel wert: Der Asylbescheid ist heute angekommen und positiv – Champagner geht nicht, weil erstens nicht vorrätig und zweitens: Alkohol ist zwar ein arabisches Wort, aber im Islam nicht erlaubt. Mit Cola wird dann doch angestoßen.

Es ist also soweit: „Unsere“ vier Syrer dürfen in Österreich bleiben. Und sie dürfen ihre Familien nachholen, die sich in tristen Verhältnissen mit Gelegenheitsjobs und Kinderarbeit, freilich ohne jede Aussicht auf legale Arbeit oder gar einen Schulbesuch, in der Türkei durchschlagen.

Und das ist gleichzeitig auch die schlechte Nachricht. Denn nun muss auch der zugehörige Antrag gestellt werden: Das bedeutet in diesem Fall gleich 13 Anträge – für jedes einzelne Familienmitglied, das nachkommen soll. Einen eigenen, für jeweils eine Ehefrau und einmal sechs und einmal fünf Kinder. Jeweils 13 Seiten lang, in Arabisch und Deutsch auszufüllen.

Der Übersetzer Abdul, ein syrischer Freund unserer Töchter der bei der UNO arbeitet, eilt herbei. Er will helfen: Es sei so traurig, was da in seiner Heimat Syrien passiert und was das jetzt auch noch alles in Österreich auslöst, die böse Stimmung, alles wird schlechter, alles wegen Syrien, das einst so schöne, kultivierte Land. Wir sitzen stundenlang, bis wir das erste Formular ausgefüllt haben. Und seitdem sitzen wir jeden Abend immer wieder und füllen die weiteren Bögen aus.

Komplizierte Formulare

Abdul wird wiederkommen müssen, so manches was da auf den Formularen auf Arabisch gefragt wird, ist trotz Abduls Einführung noch immer zu kompliziert für unsere einfachen Männer, die unglücklich über den Papieren brüten. Doch bald muss das Ganze in die Türkei geschickt werden – hoffentlich braucht die Post nicht wieder wochenlang, wie zuletzt beim Weihnachtspackerl an die Familie, das Anfang Februar angekommen ist.

Die Familien müssen sich binnen drei Monaten nach Erhalt des positiven Bescheids mit den Anträgen nach Ankara aufmachen und sie samt allen Dokumenten in der österreichischen Botschaft einbringen. Ich soll dort einen Termin ausmachen, rät das Rote Kreuz, es hebt aber niemand ab, die Leitungen sind immer besetzt, wir sind nicht die Einzigen.

Immerhin auch eine Galgenfrist, denn wenn einmal der Familiennachzug geklärt sein wird, muss eine Wohnung gefunden werden. Für insgesamt 17 Personen gibt es keinen Platz. Auf dem Wohnungsmarkt findet sich aber gerade gar nichts zu für sie leistbaren Preisen. Arbeit finden sie wohl auch nicht so schnell, noch ist ihr Deutsch zu mangelhaft. Und die Mindestsicherung, die sie in Aussicht haben, soll auch noch gekürzt werden. „Wir schaffen auch das“, sage ich, als Ahmed mich wieder einmal voller Angst und Sorge fragt, wie das denn nun weitergehen wird.