Erstellt am 24. September 2015, 06:02

von Ulla Kremsmayer

Hilfsbereites Stadtl. Ulla Kremsmayer gibt zwei syrischen Männern und ihren beiden Söhnen Unterkunft. Sie berichtet über ihre Erfahrungen.

Volksschul-Direktorin Waltraud Horak erzählt, dass sich zwei pensionierte Lehrerinnen gemeldet hätten, die mit den syrischen Kindern Deutsch lernen.  |  NOEN, Kremsmayer

Letzte Woche waren sie gekommen, 20 Säcke und Taschen schleppten die vier Syrer in ihre Zimmer,

Ergebnis ihrer „Arbeit“ in Traiskirchen: Zur Untätigkeit verdammt und nach langer Flucht mittellos, sammelten sie alles, was Helfer gespendet hatten.

x  |  NOEN, Kremsmayer
Kein Wort einer Fremdsprache, eine Übersetzerin muss her. Sie erklärt, dass nur das Wichtigste ins Haus gehört, der „Rest“ in die Garage. Sie fragt auf meine Bitte, ob sie Hunger hätten, sagt mir aber gleich, sie würden „Nein“ sagen und sich trotzdem freuen, wenn sie eingeladen werden. Also wird gegessen, sie fotografieren alles mit ihren Handys – und schicken es an ihre Familien, die in türkischen Lagern leben. Zum Kaffee kommt ein Freund mit ägyptischen Wurzeln und übersetzt die ersten Schritte.

Ins Gemeindeamt, zur Schule, zur Bank, um ein Konto einzurichten, damit dort die Grundversorgung landen könne…

Zum Höfefest nehme ich sie mit auf Tour. Freilich habe ich ein wenig Bammel vor den Reaktionen, aber die Groß-Enzersdorfer sind überwältigend. Alle Bekannten begrüßen meine neuen Begleiter herzlich, und die freuen sich sehr darüber: „Grüß Gott“ können sie schon sagen und „Danke“. Frau H. steckt mir Geld zu, für die Schulsachen, die die Buben brauchen. Den Syrern gefällt die Volkstanzgruppe, sie klatschen den Takt mit, sie lauschen dem Kirchenchor und staunen über die fremden Klänge.

Am Montagmorgen rufe ich in der Volksschule an, die Direktorin weiß bereits Bescheid, wir sollen nur kommen. Also morgen erster Schultag – die Väter wollen auch mit in die Schule, das geht leider nicht.

In der Schule warteten schon Stifte und Hefte

Dienstagfrüh, die Buben, sauber herausgeputzt, gehen in die Klasse. Dort warten auf den Plätzen Stifte und Hefte, von Eltern der Mitschüler gesammelt, wieder kommen mir die Tränen. Die Welle der Hilfsbereitschaft ist enorm, eine Nachbarin kroatischer Herkunft will uns Geld geben, unsere Zugehfrau, auch gebürtige Kroatin, ist ebenso nicht zu halten, sie war jahrelang Flüchtling, sie putzt lange und will keinen Lohn dafür.

Beim Sturmfest spendiert SP-Bürgermeister Hubert Tomsic Traubensaft, am Samstag die Gemüsestandler am Frischemarkt einen Sack Äpfel und Melanzani. Derweil sind die Väter nicht im Zaum zu halten, sie putzen Garten und Haus. Aber wir haben doch gesagt, dass sie nicht arbeiten müssen, nicht dürfen. Am Freitag erwische ich sie beim Laubrechen in der Gasse. Leider kann die Gemeinde niemanden schicken, der die Laubhaufen abtransportiert.

Ich muss den Bürgermeister noch einmal bitten, die Männer für kommunale Hilfsdienste einzusetzen, es ist die einzige legale Möglichkeit, sie zu beschäftigen. Sie wollen nicht untätig sein, und sie wollen auch dankbar sein dürfen. Kleine Erfolgsmeldung zum Schluss: Die ersten Buchstaben werden bereits stolz gemalt und sowohl die Väter als auch die Söhne können schon einwandfrei bis zehn zählen.