Erstellt am 17. Dezember 2015, 05:03

von Ulla Kremsmayer

NÖN-Reportage: Weihnacht hält Einzug. Ulla Kremsmayer berichtet über ihren Alltag mit vier syrischen Flüchtlingen. Mit Hilfe der Gäste aus dem Kriegsgebiet wird das Haus festlich dekoriert.

Die beiden syrischen Buben beim Müllsammeln.  |  NOEN, Kremsmayer

Manchmal, an ganz trüben Tagen wie vergangenen Samstag, mache ich mir Sorgen: Kein Kinderlachen, sie schlafen alle, nichts rührt sich, wir wollten Klavierüben, das Haus schmücken, sonntags kommt doch Besuch zum Adventsingen. Depressionen? Ahmed nickt, er geht in solchen Fällen oft dann doch in die Lobau hinaus. Abdul Hamid hingegen verharrt in müder Traurigkeit.

Doch Sonntag scheint wieder die Sonne. In aller Herrgottsfrüh sind die Buben zum Helfen gestellt. Sie sammeln den Müll rund ums Haus ein, sie formen Fleischlaberl, schälen Erdäpfel, verteilen frisches Reisig im Haus. Und Abdul Hamid erklimmt die Fichte, um endlich die Lichterkette zu montieren.

Glanz und Licht

Mein Mann sieht es mit Argwohn, bis dato hat er sich dem verschwenderischen Weihnachtskitsch verwehrt. Aber mit Hilfe unserer Gäste überstimme ich ihn, denn auch sie lieben den Glanz und das Licht. Das hilft wohl auch ihnen, die dunklen Gedanken zu vertreiben. Strahlend waren sie diese Woche von der Weihnachtsfeier in der Schule heimgekehrt, mit selbst gebastelten Kerzen und zu Windlichtern geschnitzten Kürbissen. Diese erhellen nun das Haus.

Auch Ahmed strahlt, in Syrien dürfen Eltern nie in die Schule und Kuchen gab es dort auch nie. Und er freut sich schon auf das gemeinsame Singen und Feiern.