Erstellt am 09. Januar 2016, 05:03

von Ulla Kremsmayer

NÖN-Reportage: Weihnachten mit Syrern. Ulla Kremsmayer berichtet über die Feiertage mit den Asylwerbern: Das Christkind wurde nicht gesichtet, aber vor der Krippe wurde der Hut gezogen.

Am Christtag entdecken die Buben bei ihrem Tafel-Einkauf Äpfel mit Herzen in der Schale - sie stürmen ins Schlafzimmer. »Das Christkind war noch einmal da!«  |  NOEN, Kremsmayer

Ja, unsere Syrer hatten es gut, sie feierten Weihnachten wie wir und mit uns und es gefiel ihnen. Die Kinder fieberten schon lange dem Fest entgegen, denn egal, woher die kleinen Menschen kommen, sie brauchen Märchen und glauben gern daran.

Enttäuschend war, dass sie des Christkinds nicht habhaft werden konnten, denn es war wieder zu schnell beim Fenster rausgeflogen. Aber die entzündeten Kerzen ganz oben am Christbaum waren Christkindbeweis genug: Da kommt kein Mensch rauf, das muss ein Wesen mit Flügeln gewesen sein.

In der Nacht davor hatten es sich die Väter nicht nehmen lassen, mit mir den Christbaum aufzuputzen. Fleißig wurden diesmal alle, wirklich alle Kugeln und Dekorationen aufgehängt, nur mit Mühe konnte verhindert werden, dass Lichterketten blinkend in allen Farben aufgehängt wurden, denn die hatten sie heimlich besorgt.

Freundliche Grüße der Kirchgänger erfreuten

Blankes, fast entsetztes Erstaunen, als ich erkläre, bei uns leuchtet der Baum wegen der Kerzen. Echte Kerzen? Dann aber Begeisterung und viele Handyfotos. Am Heiligen Abend klingelt die Whatsapp-Runde unserer Flüchtlinge mit allen Varianten von bunten Weihnachtswünschen. Vereint unterm Christbaum wird gesungen, die Kinder haben ein neues Lieblingslied:

„Jetzt geh nur, liabs Fritzerl“, ein bayrisches Weihnachtlied, das wir entdeckt haben, als Tochter Friederike (Fritzi) noch klein war und bei dem die Kinder vorm Kripperl einen echten Hut ziehen müssen. Jetzt ist die „Hutzieherei“ der Hit bei Aladin.

Dann geht’s zur Christmette. Die Kirchgänger grüßen freundlich, Ahmet und Abdul Hamid freuen sich darüber, sie haben stets Sorge, wie sie hier als Moslems aufgenommen werden würden. Es ist kein Problem. Sie schätzen die Ruhe und die Musik in der Kirche – in der Moschee klingelt ständig irgendwo ein Handy und es wird getratscht. Und gerne schütteln sie die Hände beim „Friede sei mit Dir“, denn sie wissen, das heißt „Salem aleikum“.

Zum Wiener Silvesterpfad dürfen dann alle mit, auch die jungen Iraker, die in Eckartsau recht abseits stationiert sind. Das Staunen ist groß, die vielen Menschen, die Bühnen, die schöne Stadt. Beim Bleigießen hat Aladin sofort seine Figur eindeutig interpretiert: Das Christkind! Hoffentlich ein guter Schutzengel fürs neue Jahr im fremden Land.