Erstellt am 16. Dezember 2015, 05:58

von Thomas Schindler

Notarzt nahm Patientin nicht mit. Es war an einem Samstag gegen 9 Uhr morgens: Frau S. (Name der Redaktion bekannt) aus Tallesbrunn fühlte sich nicht wohl und wollte das Bett nicht verlassen.

15 Minuten nach dem Anruf der Töchter traf der Gänserndorfer Notarztwagen in Tallesbrunn ein. Die Mutter wurde aber nicht mitgenommen. »Weil zu diesem Zeitpunkt keine Notwendigkeit bestand«, so das Rote Kreuz.  |  NOEN, privat

Es war an einem Samstag gegen 9 Uhr morgens: Frau S. (Name der Redaktion bekannt) aus Tallesbrunn fühlte sich nicht wohl und wollte das Bett nicht verlassen. Die beiden Töchter Claudia und Silvia beschlossen, einen Arzt zu verständigen, um die 62-jährige Mutter durchchecken zu lassen. Immerhin ist diese eine Herzpatientin.

Die beiden Töchter erinnern sich: „An einem Samstag ist es gar nicht so einfach, einen niedergelassenen Arzt zu finden. Die einen meinten, sie seien für die Region nicht zuständig, bei den anderen lief nur der Anrufbeantworter und wieder andere sagten, dass wir die Rettung rufen sollten.“

Das taten die Schwestern schließlich auch, nach nur 15 Minuten war der Notarzt gegen 10 Uhr da: „Er untersuchte unsere Mutter und meinte, dass sie nur erschöpft sei und ansonsten gesund. Ihre Krankenakte, die wir ihm zeigten, las der Notfallmediziner durch.“ Trotzdem sah er keinen Grund für einen Transport ins Krankenhaus.

Zustand besserte sich nicht

Auch am Nachmittag besserte sich der Zustand der 62-Jährigen nicht. Die besorgten Schwestern griffen wieder zum Hörer und konnten eine niedergelassene Ärztin erreichen, die sofort vorbeikam. Aber auch sie meinte, dass es vermutlich nur ein grippaler Infekt sei: „Wenn wir aber solche Angst hätten, sollten wir die Rettung alarmieren.“ Das taten die Schwestern abermals.

Gegen 17 Uhr stand wieder ein Rotkreuz-Team im Haus und stellte fest, dass die 62-Jährige 40 Grad Fieber hatte. Sofort wurde sie ins Krankenhaus Mistelbach gebracht. Die dortigen Mediziner diagnostizierten „eine schwere Infektion“ im Bereich der Herzklappe. „Und sie sagten auch, dass der Zustand unserer Mutter kritisch sei“, erinnern sich die Töchter. Zur Erklärung: Die Tallesbrunnerin war wenige Wochen davor im AKH Linz am Herzen operiert worden.

„Es geht ihr derzeit sehr schlecht, sie liegt noch immer im Spital. Am Wochenende setzte sogar kurz ihr Herz aus. Wir bangen um ihr Leben“, so die Schwestern, die am Notarzt kein gutes Haar lassen: „Warum hat er sie nicht gleich ins Krankenhaus überwiesen?“

„Patientin war munter und stabil"

Was sagt das Gänserndorfer Rote Kreuz zur Kritik? Geschäftsführer Wolfgang Antos: „Die Angehörigen hatten ein lebensbedrohliches Zustandsbild gemeldet. Die Patientin war zum Zeitpunkt der Notarzt-Intervention jedoch munter und völlig stabil. Es waren beide Töchter vor Ort. Den Krankenakten zufolge bestand kein aktueller Bezug zum Zustandsbild.“

Den Töchtern wurde erklärt, dass im aktuellen Zustand der Mutter diese vom Spital postwendend wieder retour gefahren würde. Antos: „Der Notarzt sagte den Angehörigen noch, dass sie, sollte sich der Zustand der Mutter verschlechtern, gerne wieder anrufen können. In diesem Fall würde ihr Zustand dann neu evaluiert werden.“

Zudem, so geht aus den Aufzeichnungen des Roten Kreuzes hervor, hatte die Patientin selbst nicht unbedingt ins Krankenhaus gewollt: „Diesem Wunsch wurde angesichts der Situation nach entsprechender Aufklärung entsprochen.“ Nach dem neuerlichen Anruf der Töchter am Nachmittag wurde die Patientin schlussendlich gegen 17.30 Uhr mit einem Rettungsfahrzeug ins Krankenhaus Mistelbach gebracht, so Antos.