Erstellt am 19. Mai 2015, 08:23

von Manuel Mattes

Handshake mit Papst. Das koptische Kirchenoberhaupt residierte bei seinem Österreich-Besuch im Kloster in Obersiebenbrunn, dem ehemaligen Jagdschloss Prinz Eugens. Die NÖN war vor Ort.

Altgemeinderat Wadie Dawoud, Bischof Anba Gabriel, Papst Tawadros II., NÖN-Redakteur Manuel Mattes und Gemeinderat Georg Dawoud (v.l.) beim Besuch des Kirchenoberhauptes in Obersiebenbrunn.  |  NOEN, privat

So manchem Obersiebenbrunner mag vielleicht der Polizeiwagen aufgefallen sein, der in den letzten Tagen rund um die Uhr vor dem koptischen Kloster – dem ehemaligen Jagdschloss Prinz Eugens – parkte. Dass der Grund dafür der Besuch eines Papstes ist, der vom Innenministerium Personenschutz zur Seite gestellt bekam, werden die Wenigsten gewusst haben.

Tawadros II., seit 2012 das Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche, nächtigte im Rahmen seines Österreich-Besuchs in dem altehrwürdigen Gebäude, das im Jahr 2001 von den Kopten erworben und Schritt für Schritt in ein Kloster umgewandelt wurde. Papst Tawadros II. ist das 118. Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche. Er wurde am 4. November 2012 per Losentscheid als Nachfolger des verstorbenen Schenuda III. gewählt.

In einem kurzen Gespräch auf Englisch versicherte das Kirchenoberhaupt dem NÖN-Reporter, Österreich und insbesondere das Obersiebenbrunner Kloster sehr zu schätzen und sich den rund 6.000 Kopten im Land sehr verbunden zu fühlen.  

Renovierungsarbeiten weit fortgeschritten

Seit dem Erwerb des baufälligen Jagdschlosses durch die koptische Gemeinschaft vor nunmehr 14 Jahren ist viel geschehen: Die Renovierungsarbeiten an der Fassade sind bereits weit vorangeschritten, die großzügige Gartenanlage präsentiert sich dem Besucher in einem gepflegten Zustand und auch das Innere des Gebäudes kann sich mehr als nur sehen lassen.

Neben drei Kirchenräumen und drei Kapellen wurden noch ein koptisches Museum, Mönchsunterkünfte sowie ein päpstliches Gästezimmer eingerichtet. Auch ein Jugendzentrum befindet sich auf dem Areal der ehemaligen Sommerresidenz Prinz Eugens. Benannt ist das koptische Kloster – es ist übrigens das derzeit einzige in Österreich – nach dem Heiligen Antonius.

Papst Tawadros II. hat seine Reise fortgesetzt, der Polizeiwagen ist verschwunden und langsam kehrt wieder die gewohnte Ruhe im Kloster ein. Geht es nach dem bekennenden Kopten und Strasshofer Gemeinderat Georg Dawoud, könnte sich dieser Ausnahmezustand aber ruhig öfter wiederholen: „Es ist eine riesige Ehre für uns, den Papst hier empfangen zu dürfen. Was ich an ihm bewundere, ist, dass er sich an den Namen jeder Person erinnert, mit der er einmal zu tun hatte.“ Und weiter: „Wir alle haben ihn ins Herz geschlossen und hoffen, dass er bei seinem nächsten Besuch etwas länger bleibt“, so der Kommunalpolitiker und Jus-Student im NÖN-Gespräch.

Koptischer Glaube

Die Kopten stellen mit 95 Prozent die große Mehrheit der in Ägypten lebenden Christen dar. In Österreich ist die koptisch-orthodoxe Kirche mit rund 6.000 Mitgliedern vertreten. Oberhaupt der Kopten in Österreich ist seit 2000 Bischof Anba Gabriel.