Erstellt am 30. Januar 2016, 05:03

von Jutta Hahslinger

Polizist im Zwielicht. Versuchte ein ernüchterter Polizist sein privates „Rausch-Malheur“ im Wirtshaus auf Einbrecher abzuwälzen, oder ist er tatsächlich das Opfer einer Intrige?

Richter Helmut Neumar leitet den Prozess gegen den Exekutivbeamten.  |  NOEN, NÖN

Beim Kirchenwirt im Bezirk Gänserndorf wurde am 20. März vergangenen Jahres der irische Nationalfeiertag gefeiert. Unter den trinkfreudigen Gästen befand sich auch ein 38-jähriger Stammgast, ein Exekutivbeamter im Weinviertel.

Der Beamte hatte seine Polizeiuniform abgelegt und es als Privatperson ordentlich krachen lassen: So soll er im Rausch einen Musikautomaten von der Wand gerissen haben.

Nach weiteren Turbulenzen wurde der Stammgast schlussendlich aus dem Lokal „hinausbegleitet, nicht rausgeworfen“, wie der 38-Jährige betont. Er gibt zu, damals alkoholisch ziemlich „bedient“ gewesen zu sein, auch, dass er sich am nächsten Tag für sein Benehmen entschuldigen wollte.

Da habe er von dem Einbruchsdiebstahl erfahren und sich der Sache – obwohl er krankheitsbedingt nur noch Innendienst versieht – angenommen, gesteht er ein.

Er habe aber nicht in Absprache mit den Wirtsleuten eine Anzeige fingiert, um den Schaden am Musikautomaten der Versicherung aufs Auge zu drücken, beteuert er vor Gericht. Er will keinen Amtsmissbrauch begangen haben. Ob er eine Sachbeschädigung begangen hat, daran kann er sich nicht mehr erinnern.

Gastronomen-Paar: "Haben kein Motiv"

„Wir haben doch kein Motiv. Der Schaden wäre ohnehin von der Versicherung gedeckt gewesen und die hätte sich am Verursacher schadlos gehalten“, sagt das Gastronomen-Paar und leugnet den versuchten Versicherungsbetrug. „Ich bin auch versichert. Also warum sollte ich das tun?“, wirft der Polizeibeamte ein. Der Verdacht des Versicherungsbetrugs basiert auf der Aussage eines einzigen Zeugen: „Der Wirt hat mir erzählt, dass der Polizist zwar den Automaten von der Wand gerissen hat. Aber dass sie es mit der Versicherung hingedreht haben.“

„Sind Sie gut mit dem Wirten?“, will Richter Helmut Neumar wissen. Zögerlich antwortet der Zeuge: „Eigentlich nicht.“ Der Richter verwundert: „Und dann soll er ausgerechnet Ihnen von einem Versicherungsbetrug erzählen. Da liefert er sich Ihnen ja aus.“ Das angeklagte Trio sieht sich als „Zuagraste“ als Opfer einer dörflichen Intrige. Zur Ladung weiterer Zeugen wurde der Prozess vertagt.