Erstellt am 18. Februar 2016, 05:04

von Erwin Nußbaum

Radfahr-Brücke: Urnengang aufgeschoben. Gemeinderat vertagte Beschluss, ob Volk zur March-Querung befragt werden soll, und hält vorher ein Bürgerforum ab – positives Wahlergebnis muss aber bis Mai erfolgen.

Ein möglicher Standort für die Radfahr-Brücke ist das Zollwache-Denkmal - von den Marcheggern liebevoll nur »der Adler« genannt  |  NOEN, Nußbaum

Die jüngste Gemeinderatssitzung der Storchenstadt ist Geschichte und der erwartete Knalleffekt – blieb aus. Die Entscheidung darüber, ob man eine Volksbefragung zur Errichtung einer Radfahr-Brücke in die Slowakei abhalten will, wurde vertagt und die erwartete spannungsgeladene Debatte darum blieb – für manche überraschend – aus.

Projekt noch nicht vom Tisch

Einig wie selten vorher zeigten sich ÖVP und SPÖ in der Entscheidung, den Urnengang zu verschieben, obwohl dieser bis spätestens im Mai erfolgen müsse und der zentrale Voraussetzungspunkt für den Bau der March-Querung ist.

Ist das Projekt nun vom Tisch? Mitnichten. Im Marchegger Ortsparlament wartet man mit der Entscheidung lediglich, um die wahlberechtigte Bevölkerung auf einem Bürgerforum zu Wort kommen zu lassen und die Stimmung auszuloten – und vielleicht auch, um das Wahlvolk noch günstig zu stimmen?

Einen Entschluss könne man danach kurzfristig immer noch treffen. Ob eine Volksbefragung am Tag der Bundespräsidentenwahl stattfinden wird, bleibt also vorerst unklar. Sicher hingegen ist, dass das angesprochene Bürgerforum am 1. März um 19 Uhr im Speicher des Schlosses stattfinden wird.

Haupt: "Haben die Chance uns zu öffnen"

Dem Verschiebe-Entschluss vorausgegangen sind Plädoyers für die Brücke. So nannte sie VP-Bürgermeister Gernot Haupt eine „Chance“ und zog Analogien zur historischen Entwicklung Marcheggs: Die Bevölkerung des alten Stadtzentrums habe den Bahnhof nicht gewollt, deshalb wurde er vier Kilometer weit entfernt errichtet:

„Nun stirbt die Stadt langsam aus, der Bahnhof aber wächst.“ Ein ähnliches Versäumnis scheint er auch im Hinblick auf die Radfahr-Brücke zu befürchten. Ähnlich argumentierte auch SP-Stadträtin Walpurga Wittmann: „Wir waren 60 Jahre lang nach hinten zu – am Rand der Welt. Wir haben jetzt die Chance, uns zu öffnen“, und spielt damit auf die Zeit des Eisernen Vorhangs an.

Nach dem geplatzten Pkw-Brücken-Projekt in Angern 2014 wurden Marchegg und Dürnkrut als Standorte für March-Querungen ausgewählt. Diese sollen zum größten Teil mit dem frei gewordenen EU-Geldern des Angerner Projekts finanziert werden – den Rest übernehme das Land Niederösterreich.