Erstellt am 20. April 2016, 05:04

von Erwin Nußbaum und Markus Glück

S8-Demo sorgt für Schlagabtausch. Während ÖVP auf Ballhausplatz demonstrierte, kritisierten SPÖ und Bürgerplattform das Vorgehen.

Lautstark forderten die rund 200 Demonstranten am Wiener Ballhausplatz den Bau der S1 und S8.  |  NOEN, Nußbaum

Dienstag vergangener Woche war es endlich so weit: Die lang angekündigte S8-Demo ging rechtzeitig zur Ministerratssitzung vor dem Bundeskanzleramt in Wien über die Bühne. Laut NÖN-Schätzungen waren rund 200 Menschen zur länderübergreifenden Kundgebung von ÖVP NÖ und ÖVP Wien gekommen, um lautstark eine rasche Umsetzung des S1/S8-Projektes einzufordern.

Juraczka: "Realitätsferne Verkehrspolitik sorgt für Dauerstaus"

Fast die ganze Polit-Prominenz der Volkspartei des Bezirks Gänserndorf war mit von der Partie. VP-Landtagsabgeordneter und Bürgermeister der Stadt Gänserndorf René Lobner und VP-Bürgermeister Friedrich Quirgst übernahmen energiegeladen die Rollen der Anheizer und brachten auch immer wieder prominente Gastredner ans Mikrofon, so zum Beispiel VP-Nationalrat Hermann Schultes, Seniorenbund-Obmann Herbert Nowohradsky und den Wiener VP-Klubobmann Manfred Juraczka. Juraczka: „Durch die realtitätsferne Verkehrspolitik von Rot-Grün in Wien und der Untätigkeit des Verkehrsministers werden tagtäglich große Teile von Wien und Niederösterreich von Dauerstaus lahmgelegt.“

Nach über anderthalb Stunden des Skandierens und Rufens verabschiedete sich das Demo-Volk spürbar geknickt mit einem einminütigen Pfeifkonzert vom Ballhausplatz. Besonders bitter: Die Hoffnung, dass SP-Verkehrsminister Gerald Klug sich ihnen stellen würde, erfüllte sich nicht. Lediglich Noch-Innenministerin Johanna Mikl-Leitner erschien, um ihre Unterstützung für die Entlastung der Region zuzusichern.

Heinzl: "Keine Verbesserungen durch inszenierte Kundgebungen"

SP-Verkehrssprecher und Abgeordneter Anton Heinzl ging mit den VP-Demonstranten hart ins Gericht: „Mit solchen inszenierten Kundgebungen erreicht man keine Verbesserung für die Bürger.“

Aussagen, die Lobner in Rage bringen: „Wenn der Minister nicht mit uns Bürgermeistern reden will, müssen wir zu solchen Mitteln greifen. Das war erst der Kick-off. Als Nächstes laden wir Herrn Klug zu einem Picknick im Stau ein.“ Verwundert zeigt sich Lobner auch, dass bis auf den SP-Bezirksvorsteher der Donaustadt kein einziger SP-Ortschef aus der Region vor Ort war. SP-Bezirksgeschäftsführer Willi Binder kontert Lobner: „Wir hatten erst in dieser Sache gemeinsam mit Karin Renner einen Termin beim Minister. Die Demo war eine reine VP-Veranstaltung. Zudem finde ich den Zeitpunkt einer solchen Demo als eher sinnlos.“

„Wir laden Minister Klug herzlich an die S8
zum Frühstück ein – es gibt Guglhupf mit 
Feinstaub-Zucker.“
René Lobner, VP-Bürgermeister Gänserndorf

Im Zuge der Kundgebung betonte die Asfinag, dass der Bau der S1 und S8 unverzichtbare Projekte zur Lösung bestehender Verkehrsprobleme seien. „Wien braucht eine tragfähige Entlastung und die Gemeinden an der B8 eine leistungsfähige Anbindung“, sagt Alexander Walcher, Geschäftsführer der ASFINAG Bau Management GmbH. Eine Behauptung, die Wolfgang Rehm von der Umweltorganisation VIRUS ins Reich der Fantasie weist: „Diese umwelt- und klimaschädlichen Projekte sind nicht umsetzbar und angesichts der zwingenden Anforderungen, Mobilität anders zu gestalten, auch mehr als entbehrlich.“

Kritik an der ÖVP-Aktion am Ballhausplatz gibt es auch vom Obmann der Plattform „Zukunft statt Autobahn“, Axel Grunt: „Es ist kein Geld für die Marchfeld-Autobahn da. Pendler, die auf eine Verbesserung warten, werden von ihren Bürgermeistern für dumm verkauft.“ Für die Plattform stehen vor allem der Ausbau des öffentlichen Verkehrs und lokale Umfahrungen im Fokus. „Während bei der S8 mit fragwürdigen Mitteln Druck gemacht wird, geht der Ausbau der parallel laufenden Bahnverbindung sehr schleppend voran“, so Grunt.